Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/111

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Entscheides gab er gute Worte. Hinhaltend und rasche Erledigung scheuend brachte er nichts zu Ende. Er mußte sich sagen lassen, daß in seiner Verwaltung keine Ordnung herrsche, keine straffe Aufsicht walte. Der Stiftschronist rühmte zwar seine Leutseligkeit, fand aber an dem kleingearteten Menschen, der Christoph war, auch die Mängel dieser Menschenart: Habsucht und Knickrigkeit. Andre urteilten, daß er sich zuviel mit den Wälschen seiner Cluniacenservisitation befasse und darüber den eigenen Clerus versäume.

Überhaupt sehen wir diesen von Natur friedsamen Herrn ringsum verstrickt in Übelwollen und Hader. Er hatte Streit mit dem Domkapitel, Streit mit seinem Kanzler, Streit mit dem Coadjutor. Nie und nirgends finden wir etwas Imponierendes an ihm. Nicht einmal am Tage seiner berühmten Synode; die Schüchternheit hielt ihn ab, selbst die große Allocution an den Klerus zu tun. In diesem Zusammenhang erscheint auch die Schlichtheit, die ihn niemals Seide am Gewände tragen ließ, wie ein Verstoß gegen die Würde seines Amtes.

In der Tat ruhte das, was Utenheim auszeichnete, auf Anderem. Seine Neigung zur Beschaulichkeit, sein gemütlicher Verkehr mit Pellican und mit den Klosterfrauen an den Steinen, sein Umgang mit Wimpfeling Erasmus Rhenan u. A., seine Freude an Kunstwerken sind Zeugnisse eines geistigen Lebens in ihm, das mit den Dingen kirchlichen und weltlichen Regierens wenig gemein hatte.

Der nunmehr diesem Christoph gegenübertretende städtische Rat ist ein anderer als der, welcher mit den Bischöfen Johann und Caspar gestritten hat. In seinem Bestand ist nicht mehr viel Vornehmheit; seiner Haltung, ja auch seiner Sprache im Kampfe mit dem Bischof fehlen die Würde, das Ergriffensein. Es fehlt auch jenes leise Vibrieren einer Kraft, die in ihrer stärksten Erhebung sich doch noch zwischen den beiden Möglichkeiten des Sieges und der Niederlage fühlt. Dieser wider Christoph fechtende Rat weiß deutlich, daß er gewonnenes Spiel hat. Seiner Macht bewußt, ohne große Worte, nüchtern und ruhig, entkleidet er den Bischof der letzten Rechte.

Wir sahen schon, wie seit der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts die Vertretung der Stände im Rate sich verschob. Der Edeln und Achtburger wurden immer weniger. Es war stets dasselbe: ein Wegbleiben und nicht wieder Ersetztwerden. Lauter stille Vorgänge. Aber ihre Wirkung auf das Ganze war erheblich, und hinter ihnen tobte der heftigste Kampf der Parteien. Dem Bischof, den Geschlechtern, der Vornehmheit überhaupt gegenüber erhoben sich die Gegner. Man stritt um die Macht im Staate, aber auch um die Formen ihrer Ausübung; man stritt und mühte sich Jahrzehnte hindurch

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 90. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/111&oldid=3403009 (Version vom 1.8.2018)