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an die Anlegung der Bibliothek geht, die von da an seine Liebe geblieben ist, nicht bibliophilenhaft, sondern gelehrtenmäßig, mit der lebenslang sich nicht sättigenden Lust des Sammelns, des Durcharbeitens und Erwerbens dieser geistigen Schätze.

Mit solchen Gesinnungen und schon reich an Kenntnissen kommt er in die hohe Luft von Paris, in die gewaltigen Antriebe eines wissenschaftlichen Verkehres stärkster Art. Seine Lehrer sind hier Clichtoveus, Faustus Andrelinus, der Spartaner Hermonymos, und namentlich Jacob Faber. Es sind schöne Jahre, und noch späte Äußerungen des Rhenan und seiner Pariser Genossen lassen das Glück dieses nur den Studien geltenden Lebens ahnen. Die Kraft, die Rhenan in sich fühlt, treibt ihn dazu, selbst auch schon den Führer und Lehrer zu machen; im kleinen Kreis innerhalb des Kollegiums, das er mit den Kommilitonen bewohnt, hält er Vorlesungen mit Interpretation aristotelischer Schriften. Neben her geht aber auch, als praktische Verwertung des Wissens, sowie als Kraftprobe für künftige Leistungen, die Kastigatorenarbeit im Dienste der Drucker Petit und Stephanus.

Der eigentümliche Duft und Zauber verheißungsvoller Entwickelungsjahre ruht auf diesen Zeugnissen. 1507 kehrt Rhenan ins Elsaß zurück, wo er hauptsächlich in Schlettstadt und Straßburg sich aufhält. Er macht auch kleine Gelehrtenreisen, z. B. nach Mainz zu Gresemund. Er arbeitet als Korrektor bei Schürer. Er verkehrt mit Geiler, mit Brant, mit Wimpfeling. Er verwendet sich bei Reuchlin für seinen Pariser Meister Faber, der die Werke des Cusanus sammelt und herausgeben will. Auch an einen Aufenthalt in Italien denkt er. Da kommt die Nachricht, daß Johannes Cono der Grieche sich in Basel niedergelassen habe und da Unterricht erteile. Sofort entschließt sich Rhenanus, hinzugehen. Am 31. Juli 1511 trifft er in Basel ein.

Neben den Amerbachsöhnen, die Rhenanus wohl von Paris her schon kennt, ist er nun Schüler des großen Gräcisten. Aber ein Schüler, der auch einem solchen Lehrer Eindruck machen kann. Wir bemerken, mit welcher Hochachtung Dieser ihn behandelt.

Von großer Wichtigkeit für Rhenan sind die wenigen Monate des Verkehres mit Cono. Er empfängt von ihm nicht allein die sichere Kunde griechischer Sprache und Literatur. Cono wird ihm auch der Meister philologischer Methode. Und beachtenswert ist weiterhin, wie er den bisher durch Fabers Lehre bestimmten Aristoteliker Rhenan auf den „göttlicheren“ Plato hinweist.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 145. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/166&oldid=3403069 (Version vom 1.8.2018)