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der großen Zeitmächte und überdies noch im Einzelnen die unmittelbaren Reflexe jener Führer tragend. Diese Mischung aus allgemeinen Influenzen und nahen persönlichen Einwirkungen bedingt die eigentümlich schillernde und unerschöpflich reiche Art des Schwarmes von Nachgeordneten, von Genossen Freunden und Jüngern, der das Reich der großen Basler Humanisten füllt.

Aus dieser Schar treten die Buchdrucker hervor, durch Stärke ausgezeichnet und von einer Unentbehrlichkeit getragen, die bisweilen zur leitenden Macht werden kann. In ihrer Nähe regt sich die zur Erscheinung des humanistischen Basel wesentlich beitragende Gruppe der Korrektoren.

Im Einzelnen voll Verschiedenheit, dem großen Geschehen näher oder- ferner stehend, zeigt sich endlich noch die Menge der dem Humanismus auf irgend eine Weise arbeitend oder genießend Zugewandten. Weitab von allem Zwang und aller Monotonie wogt das Leben in einer Fülle von Gestalten.


Wir treten näher, und als Erster begrüßt uns der Bischof dieser geisterfüllten Stadt: Christoph von Utenheim. Den Kirchenfürsten kennen wir schon. Hier sehen wir den Freund der Gelehrten. Wie sein Verhältnis zu den Herren der Universität ist, wird uns nicht gesagt. Aber wenn er uns vor Augen kommt, ist er stets bei den Verkündern des neuen Tages. Von dem 1508 in Basel weilenden Mathias Ringman läßt er sich in Privatstunden Geographie dozieren; er ist eleganter lateinischer Rede mächtig. In seinem intimen Verkehre mit Wimpfeling gibt er sich als Elsässer Humanisten; jetzt aber beherrscht ihn das Leben des erasmischen Kreises. Seit dem Erscheinen des Enchiridion gehört er zu den begeisterten Anhängern des Rotterdamers; nun er Diesen in seinem Basel vor sich sieht, bezeugt er ihm auf alle Weise seine Verehrung; er lädt ihn ein, er umarmt ihn, er schenkt ihm ein Reitpferd. Auch den Rhenan und die andern zieht er gelegentlich an seinen Tisch. Er ist freilich nicht der Genosse dieser Männer, sondern stets der Fürst, ein gnädiger Gönner, und doch ohne imposante Kraft. Mit stärkeren persönlichen Gaben würde er hier in Basel, auf solchem Boden und in solcher Umgebung, ein noch Größerer geworden sein, als wenig früher in Worms Bischof Johann von Dalberg gewesen mar.

In der Welt der Kathedrale machen sich noch einige andere Gestalten geltend: Der Domdekan Adelbero von Rotberg, dem Sebastian Brant seinen Äsopus gewidmet; der mit Erasmus und Ökolampad befreundete Domherr Nicolaus von Wattenwik; namentlich aber Hans Rudolf von Hallwil.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 159. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/180&oldid=3403084 (Version vom 1.8.2018)