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Die Epoche, die Alles zur Steigerung und Reife brachte, hob auch die Buchdruckerei in einziger Weise. Aus einer Fülle verschiedener Persönlichkeiten und Leistungen formt sich vor uns ein imposantes Bild.

Wenn Konrad Geßner die einzelnen Bücher seiner Pandekten den großen Basler Druckern widmete und wenn später Christian Wurstisen ein hohes Lied auf die Typographen des erasmischen Basel — als die Mehrer des Schatzes göttlicher und menschlicher Weisheit, die Förderer so vieler erlauchter Geister, die Verherrlicher der Stadt, die Wohltäter der Menschheit — erklingen ließ, so waren das Huldigungen der Wissenschaft durch den Mund von Polyhistoren, die aus ihrer Distanz die ganze mächtige Erscheinung vor Augen hatten.

Der Geist der neuen Kunst des Buchdrucks war an sich verwandt mit dem Geiste des Humanismus. „Alles wandert zur Druckerei, es gibt keine Geheimnisse mehr, und wir wissen, was Jupiter droben im Himmel und Pluto unter der Erde treibt.“ Die Drucker selbst konnten das Bewußtsein haben, gleich den Humanisten Kämpfer und Bahnbrecher zu sein.

An eine ausschließliche Tätigkeit der Basler Pressen im Dienste der neuen Wissenschaft ist natürlich nicht zu denken. Sie besorgten auch Tagesliteratur, während geraumer Zeit auch noch viel Erbauliches, scholastische Kommentare Predigten Postillen u. dgl. Noch 1517 wetterte Rhenan, daß Lachner nur Sinn habe für den Verlag der gangbaren und einträglichen Bücher alter Art von Brulifer Spiera Biel usw.

Auch das übersehen wir nicht, daß viel Schweres zu überwinden war auf dem Wege zum europäischen Ruhme der nobilis Basiliensis libraria, daß viel Irdisches hinter diesem Glanze lebte. Zahlreiche Äußerungen zeigen die Befangenheit und Bedingtheit, die Arbeitsmühe, die Sorge und den Streit: unabwendbare Beigaben zum Tun Derer, die sich Vollender so großer Dinge nennen durften.

Johann Froben, 1460 im fränkischen Städtchen Hamelburg geboren, wurde 1490 Bürger zu Basel. Ohne Zweifel durch seinen Landsmann Johann Amerbach hergezogen, in dessen Werkstatt er seine Ausbildung erhalten zu haben scheint. Sein erster eigener Druck, eine Bibelausgabe, kam 1491 zu Stande. Später druckte er in Gemeinschaft mit Johann Petri und Johann Amerbach. 1507 erwarb er das Haus zum Sessel am Totengäßlein, in dem die amerbachische Offizin zur Miete gewesen war. Seitdem hieß Froben der Drucker zum Sessel, bei Freunden kurzweg der Sessler Sediliensis.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 166. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/187&oldid=3403091 (Version vom 1.8.2018)