Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/197

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die typographischen Annalen Basels sie zeigen, da jedes Jahr seine Volumina in langer Reihe bringt, die großen Hauptwerke Jahr um Jahr sich folgen und drängen.

Aber unmöglich ist festzustellen, in welchem Maß Autor und Verleger sich in das Verdienst der Gedanken, der Initiative und der Arbeit teilten.

Wie der Gelehrte seine Pläne hatte und „invulgiert“ sein wollte; wie er sich durch Freunde anpreisen ließ; wie er eine Offizin zuweilen für sich allein in Anspruch nahm und so sehr beschäftigte, daß kein Andrer mehr Aufnahme fand; wie er Publikationen andrer Orte zum Nachdruck empfahl; wie er Stoff suchend die Bibliotheken durchstöberte und zu Kollegen reiste; so rührte sich der Drucker. Auch er hatte seine Studien gemacht, auch er besaß Kenntnisse und wissenschaftliches Urteil. Er war nicht allein Geschäftsmann. Mit solchen Gaben stand wohl Cratander an der Spitze der Basler Topographen. Ihnen Allen gemeinsam aber war eine Aktivität, die sie dem Autor beinah ebenbürtig erscheinen ließ. Sie hatten bestimmte Wünsche. Sie bezogen Bücher andrer Verleger, die ihnen der Wiederholung wert schienen, und beauftragten einen Gelehrten mit der Herrichtung zum Drucke. Sie gingen selbst auf Reisen und suchten Handschriften zur Edition. Wieder ist Cratander zu nennen; er schreibt dem Capito von seinem Verlangen, das „göttliche Werk“ des Chrysostomus ans Licht zu bringen; er drängt den Vadian in Briefen von elegantestem Latein um das Manuskript zum Mela; er „dürstet“ nach dem in Aussicht gestellten Werke des Alciat. War der Druck vollendet, so ging das Buch nicht hinaus ohne ein Geleitwort, in dem der Drucker von der Arbeit redete, über die Quellen referierte, die Wichtigkeit dieser Publikation darlegte, den Leser begrüßte und zum Kaufen aufforderte. Das Entscheidende ist nicht, daß manche dieser Prologe gar nicht von dem Drucker selbst verfaßt waren, dessen Namen sie trugen, sondern die allgemeine Anschauung, der gemäß der Drucker und nicht ein Andrer hier das Wort hatte.

Mochte auch etwa einmal ein Gelehrter die Verleger als schnöde Ausbeuter tarieren, zu allermeist glauben wir doch in ein Zusammenarbeiten hineinzusehen, bei dem geistige und wissenschaftliche Interessen für beide Teile obenan stehen konnten. Nicht allein die Arbeit des Gelehrten erhielt ihren Adel daraus, daß sie einer allgemeinen und idealen Aufgabe diente. Nicht ihr allein winkte der geliebte Ruhm. Auch einem Froben konnte bezeugt werden, er sei mehr auf Förderung der Wissenschaften bedacht gewesen als auf materiellen Gewinn und habe seinen Erben wenig Vermögen hinterlassen, aber einen gefeierten Namen.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 176. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/197&oldid=3403102 (Version vom 1.8.2018)