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„nicht allein ganz Germanien, sondern dem christlichen Erdkreis überhaupt Ruhm bringe“. Auch im Erfurter Humanistenzirkel wußte man, wie sehr der Flor des frobenischen Unternehmens von der Mitarbeit des Rhenanus abhing. Es war eine Mitarbeit, die gelegentlich bis ins Einzelne ging; reizvoll ist zu beobachten, daß Rhenan auch dem Buchschmucke sein Interesse schenkte und hiefür den Hans Halbem in die Gedanken- und Bilderwelt der Antike einführte.


Eine ähnliche, den gewöhnlichen Korrektoren Frobens übergeordnete Stellung scheint Bruno Amerbach gehabt zu haben.

Er war von vorneherein Träger einer großen Tradition. Mit der besondern Obliegenheit, die vom alten Amerbach begonnene Ausgabe des Hieronymus zu vollenden, trat er in die frobenische Offizin ein, und diese Arbeit nahm ihn während der ersten Jahre fast ganz in Anspruch; nebenher gingen andere Geschäfte wie die Kastigation der berühmten Adagiaausgabe von 1513. Es war eine gewaltige Arbeit, und Erasmus bewunderte die incredibilis diligentia des Bruno bei Herstellung des Textes und Scheidung des Ächten und Unächten. Auch standen ungeduldige Treiber — Lachner Froben Erasmus — hinter ihm; wie oft seufzte er über seine Pein in diesem pristinum frobenianumxlstiinuni kroksniamim. „Wir haben endloses Geld auf das Hieronymuswerk verwandt und fast unser ganzes väterliches Vermögen aufs Spiel gesetzt“, schreibt er einmal; „doch scheint uns der Aufwand noch größer, daß wir unsre schönste Lebenszeit und unsre liebsten Studien daran gegeben haben. Es ist eine Arbeit, die jeden jungen Menschen zum Greise machen könnte.“

Endlich im Sommer 1516 war der Hieronymus in neun Folianten erledigt, und Bruno konnte sich als freien Mann fühlen. Er kehrte zu seinen Studien zurück; er las Tage und Nächte durch in den Werken des Erasmus; er träumte eine italiänische Reise.

Diese konnte er im Spätsommer 1517 ausführen. Aber sie brachte ihm wenig Freude, und schon im November sah er sich wieder in den Fesseln Frobens. Von da an liegt in wenige Monate zusammengedrängt vor uns, was Brunos Leben war.

Vor Allem seine Tätigkeit bei Froben, mit der er zum Teil Lachner abgelöst zu haben scheint. Er ist sichtlich an der Leitung des Geschäftes beteiligt. Er besucht die Messen; er schreibt Briefe und Vorreden; er stöbert in Bibliotheken sowie in Buchhändlerlagern gute nachzudruckende Bücher auf; er legt den Autoren Typenmuster vor usw. Er besorgt aber neben dem

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 179. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/200&oldid=3403105 (Version vom 1.8.2018)