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Froben, bei Cratander usw. unter den Pressen liegen, nach der hier zum Verkaufe stehenden Literatur wird gefragt. Amerbach Rhenan Fontejus Glarean u. A. haben unaufhörlich mit solchen Desideraten zu tun; ihre Listen der Basler Novitäten erregen unser Staunen; in diesen langen Verzeichnissen von Autorennamen und Titeln drängen sich oft die größten geistigen Vorstellungen.

Bei den in Basel selbst gedruckten Büchern handelt es sich mehrern Teils um auswärtige Käufer. So stark auch die seltsame Bücherwut am Orte selbst sein mag. die Stadt ist doch zu klein, um ihre mächtige Produktion wieder zu absorbieren. Die Drucker sind angewiesen auf den Export, auf den Absatz außerhalb der Mauern.

In den verschiedensten Formen geschieht der Vertrieb. Auf dem Markt und an der Messe in Basel selbst; am Lager der Druckereien; bei Buchbindern; durch Buchführer, die hausierend das Land durchziehen. Aber dies Wesen ist oft unbeholfen. Rhenan klagt, daß Wenige und vielfach der Sache nicht Gewachsene sich des Vertriebes annehmen, daß sie meist nur den Schund feiltragen. Es kann geschehen, daß der auf alle Neuigkeiten erpichte Hummelberg in Ravensburg doch eine ganze Reihe frischer Erasmiana nicht zu sehen bekommt, oder daß im nahen Ensisheim Hieronymus Baldung keines der frobenischen Bücher erhält, von denen alle Welt redet. Gerade diese Mängel des gewerblichen Vertriebes führen dann dazu, daß Einzelne, wie der Augsburger Mönch Veit Bild, der Zwickauer Ratschreiber Stephan Roth sich in freier Weise der Büchervermittlung annehmen.

Neben diesem vielgestaltigen Treiben steht die feste Form und Organisation der großen deutschen Büchermessen von Frankfurt und Leipzig. An diesen Weltmärkten, „wo neben Merkur die Musen walten“, sind seit früher Zeit die Basler heimisch. Auch das Buchgewerbe unsrer Stadt fügt sich in den großen Rhythmus, den diese Messen schaffen; auf den Meßterminen ruht die Datierung vieler Drucke, sie regeln die Creditverhältnisse, die Zeit der Abrechnungen, die Fälligkeir von Honoraren; sie sind die Momente der aufs Höchste gesteigerten Arbeit.

Namentlich aber: mehr als sonst je wird der Basler Buchhandel während dieser Messezeiten außerstädtisch und universal. Sie bringen ihm das große Geschäft und die weite Wirkung, deren er bedarf. Sie bringen ihn und die Produktion dieser einen Stadt aller Welt nahe. In den Leipziger Katalogen sind die Hauptrubriken: Venediger Lyoner Basler Drucke.

An den Messen werden die Beziehungen zu auswärtigen Verlegern angeknüpft und gepflegt. Auch die Kollegen aus Paris Lyon Pavia usw.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 188. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/209&oldid=3403114 (Version vom 1.8.2018)