Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/210

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kommen da mit den Baslern zusammen. Gelehrte finden sich ein. Der mannigfaltigste Verkehr und Austausch ist möglich.

In solcher Weise tragen Buchdruck und Buchhandel das geistige Gut Basels hinaus in die Ferne.


In unzählbaren Äußerungen wogt und waltet die eine hohe Gemeinschaft. Wir sehen sie und vermögen dennoch die Wirkungen nicht in Klarheit zu erkennen. Neben vielem Einzelnen, das uns näher tritt, müssen allgemeine Vorstellungen genügen: vom Verkehre der über die Welt zerstreuten cultores optimarum literarum, von ihrer Aller heißen Liebe zu den Studien, von ihrem Bewußtsein der Zusammengehörigkeit usw.

Basel ist eine der paar großen Herbergen auf Erden für Leute dieser Art. In deren Berührungen mit Gleichgesinnten andrer Orte lebt das Gemeinsame, das wir zu begreifen suchen.

Allem voran ist hier zu reden vom Verkehre der Basler Humanisten und Drucker mit denen Deutschlands als von einem erlesenen Teil unsrer Stadtgeschichte. Hüben und drüben ist gleiche Sprache, gleiches Leben und das Reich die eine große Heimat Aller; eine starke unausweichliche, zugleich geistige und nationale Gemeinschaft verbindet Diese mit Jenen. Aber nur einzelne Gestalten oder Gruppen können uns dies hier vergegenwärtigen. Jene Deutschen, deren Werke hier gedruckt werden: Brassicanus Murmellius Melanchthon Heinrichman u. A., und Jene, die hier zu Besuch ankehren, die Briefe wechseln mit den Baslern. Es ist durchweg dasselbe Gefühl des Zusammenseinwollens und Zusammenhaltens der oft weit Zerstreuten, die Freude des Einen am Andern, der Wetteifer, wohl auch der Neid. Wir sehen Ulrich von Hutten mit den Basler Freunden verkehren, ebenso die stattlichen Humanistenexistenzen Peutinger in Augsburg und Pirkheimer in Nürnberg. Wie auch entlegene Provinzen dabei zur Nähe werden, zeigen die Beziehungen der Brüder Johannes und Stanislaus Turzo, Bischöfe von Breslau und Olmütz, zu Rhenan Erasmus usw.; zeigt der Besuch des Caspar Ursinus Velius aus Wien, um hier seine Gedichte drucken zu lassen; zeigt die Veröffentlichung der Sylva panegyrica, des Fünfkirchener Bischofs Janus Pannonius durch Rhenan in der Presse Frobens 1518. Caspar Vollant in Tübingen hat den einzigen Wunsch, unter Rhenans Führung in die Heiligtümer der Musen eingeführt zu werden; daher er nach Basel pilgern will. Der unermüdlich lernbegierige Benediktiner Niclaus Ellenbog in Ottobeuren, ein Freund Wimpfelings Pellicans und Ökolampads, begrüßt aus der Ferne den Erasmus in Basel und wartet sehnsüchtig auf

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 189. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/210&oldid=3403115 (Version vom 1.8.2018)