Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/250

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Kartographenschule aber kommt jetzt Mathias Ringman nach Basel und hält hier Vorlesungen über Kosmographie, während zur gleichen Zeit Konrad Pellican, der einst mit dem Astronomen Johann Stöffler zusammen bei Paul Scriptoris in Tübingen sich gebildet hat, das durch einen Basler Barfüßer, gebornen Nürnberger, angefertigte Astrolabium und Planetarium demonstriert.

Die Beschäftigung mit diesen Dingen ruht von da an nicht mehr. Zentrum der Ptolemaeus-Studien in Deutschland ist der Nürnberger Pirkheimer, und das Gelingen der von ihm geplanten Ausgabe liegt auch den Baslern am Herzen. In ihrem Verkehre mit Pirkheimer Hummelberg u. A. ist das Beziehen von Angaben des Ptolemaeus auf spätere Zustände und Benennungen ein stehendes Thema.

Auf dem so zubereiteten Boden muß sich Glarean sofort wohl fühlen. In seiner Schule lehrt er auch Geographie. Schon früher, in Köln 1510, hat er eine Weltkarte mit den neuesten Entdeckungen und dem Namen Amerika gezeichnet, in Nachbildung der großen Karte des Waldseemüller von 1507. Kurz nachher entsteht dann das wichtige umfassende Werk, das er zwei Jahrzehnte später seinem Lehrbuch der Geographie zu Grunde legen wird: eine Darstellung der mathematischen Geographie sowie Beschreibungen der Erde und des Universums, samt mehreren Weltkarten mit eigenartigen Methoden der Längen- und Breiteneinteilung, der Projektion usw., auch einer Zeichnung der konzentrischen Sphären des Weltalls mit dem Flecken Glarus als Zentrum.

Zu diesen geographischen Arbeiten Glareans tritt nun noch eine poetisch und halbhistorisch gehaltene Beschreibung der Schweiz. Im Frühsommer 1514 von Köln her in Basel angelangt, unterhält sich Glarean hier mit dem Zürcher Heinrich Utinger über die Geschichte der Schweiz und ihre bisherige Vernachlässigung. Er entschließt sich selbst zur Arbeit, sammelt Material, und vor Ende des Jahres erscheint bei Adam Petri die Descriptio Helvetiae.

Wir bedenken, in welchem Momente Glarean dieses Werk schafft. Er kehrt aus einem jahrelangen Leben der Fremde in die Heimat zurück, die gerade jetzt so stark und ruhmreich ist wie nie zuvor. Glareans geographischer Sinn verbindet sich mit patriotischem Hochgefühl und mit der Freude am Wohllaute seiner Verskunst.

Vorgeblich, um für die vernachlässigte Schweizergeschichte etwas Positives zu leisten. Aber es ist gar kein Geschichtswerk. Nicht erzählen hören wir den Glarean, sondern beschreiben. Der allgemeinen Schilderung des

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 229. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/250&oldid=3403159 (Version vom 1.8.2018)