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Griechische Hebräische beherrschenden Trilingues, wie Bruno Amerbach Capito Leontorius. Auch Pellican gehört zu ihnen; 1506 schreibt er die Bußpsalmen in sechs Sprachen nebeneinander hin. Allen gemeinsam ist die Geringschätzung des Spezialistenwesens als einer der Harmonie vollkommen ausgebildeten Menschentums nicht gemäßen Art; in diesem Geiste wachsen einige ungewöhnlich Mächtige zu glänzender Vielseitigkeit. So Erasmus mit seiner einzigen Geisteskraft und Arbeitsvirtuosität. So Glarean, der Philologe Geograph Mathematiker Musiktheoretiker Dichter und Erzieher ist. So Capito, den die Wißbegier erst zur Medizin treibt, dann zum Jus, dann zur Theologie, und der ein Meister der hebräischen Wissenschaft wird. Auch Beatus Rhenanus verdient sich den Ehrennamen eines Polyhistors. Den Bonifaz Amerbach, an dem Zasius den vehemens studii ardor bewundert und der nach des Cantiuncula Urteil „schon frühe den Kreis der Encyclopädie umschritten hat“, zeichnen nicht einzelne Leistungen aus, sondern die Allgemeinheit und Weite seiner Bildung.

Es ist die Zeit, die von keiner Schonung weiß und Jeden zur stärksten Ausnützung der ihm beschiedenen Kräfte treibt. Die möglichen Übeln Folgen solcher Anstrengungen sind ihr wohl bewußt. Daher die Schrift des Marsilius Ficinus „Von der Gesundheitspflege der Gelehrten“ damals in Basel publiziert wird. Beständige Verschleimung, pituita, ist eine Gelehrtenkrankheit, über die viel geklagt wird. Und wie Manche, die „handlich studieren, früh aufstehen und spät niedergehen“, sind durch Kopfweh und Schwindel geplagt! Schon der alte Surgant empfiehlt Studierenden den Gebrauch der der gedächtnisstärkenden Pillen; Bischof Christoph läßt sich solche aus der Apotheke kommen, und auch Erasmus kennt sie.

Wichtiger ist, daß Surgant in demselben Traktat, der diese Pillen nennt, neben den Mahnungen zu Mäßigkeit und guter Zeiteinteilung die Studiosen auffordert, eifrig zu arbeiten und in solchem Arbeitseifer bis zum Tode nicht nachzulassen.

Aber zum Wesen des Humanisten gehört noch Anderes als Wissen und Arbeit.

Es gehört dazu die Bildung, die zu gewinnen ist in der Beschäftigung mit den politiores elegantiores humanae litorae, mit den ingenuae disciplinae, m. a. W. die sich nährt an den Werken der großen Dichter Philosophen Redner des Altertums und der verjüngten Gegenwart.

Erst beim Hinzutreten dieser Bildung zum Gelehrtentum ergibt sich Besonnenheit und Adel des Urteils, Erregbarkeit auch für die äußere Form, Freiheit von engen Lehrbegriffen und Denkweisen, Ergebensein den Musen.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 232. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/253&oldid=3403162 (Version vom 1.8.2018)