Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/26

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

heimlich entführt; jetzt stellte das Fest die gewaltsame Befreiung und Heimholung des Fritschi durch Luzern dar, wobei Basel verhieß, sich dieses Angriffs mit gefüllten Trinkkannen erwehren zu wollen. Vom 16. bis 20. September dauerte die Lustbarkeit, unter Teilnahme des gesamten offiziellen Basel. In den Stuben zum Brunnen, zu Safran und zu Schmieden wurden die Gäste durch die Stadt bewirtet; Tanz und Spiel und Büchsenschießen füllten die Zeit zwischen den Banketten.

An diesen Freudenfesten vereinigten sich Humor und Kraft von allen Seiten her; sie konnten auch Ideen zu ernsterem gemeinsamen Handeln geben. Aber sie waren nur rasche seltene Zwischenspiele. Ergreifender ist, wie in den Sälen der Tagsatzung und auf blutigen Schlachtfeldern die Zusammengehörigkeit Basels und der Eidgenossen sich erwies. Sie lebte auch im allsonntäglichen Basler Kirchengebete, da neben der „werten Stadt Basel", neben Häuptern und Räten noch „des ganzen Vereins der Eidgenossenschaft" fürbittend gedacht wurde.


Es war eine Zusammengehörigkeit, bei der doch jeder der verbundenen Teile sein Recht und seine Sonderart behielt.

Dem Verhältnisse Basels zu den Eidgenossen war in der frühem Zeit stets ein Gefühl von Antipathie zu Grunde gelegen. Daß der Bund gleichwohl zustande kam, war das Werk äußerer Notwendigkeiten.

Mit Luzern war Basel in besonderer Weise verbunden. An den großen Verkehr des caminus Basle, der von hier über Luzern, den See und das Kerngebirge nach Süden führte, schlossen sich seit Alters rechtliche Beziehungen sowie zahlreiche nicht nur politische Neigungen und Absichten der beiden Städte. Den Ländern dagegen mußte Basel mit seinem Reichtum und seiner Weltbildung etwas Fremdartiges sein. Zürich und Bern standen, bei aller ihrer Bedeutung, doch als Landstädte zurück hinter diesem Basel auf der Höhe seiner Kultur. Für Solothurn galt die Tradition, eifersüchtiger Nachbar der Rheinstadt zu sein.

Basel war im Kreise der Eidgenossen eine singuläre Gestalt. Die „fürstliche" Stadt, wie der Luzerner Etterlin sie nannte. Auch die größte Stadt des Bundes. Aber mehr noch als die Zahl seiner Einwohner bedeutete deren nie und nimmer zu übersehende Mannigfaltigkeit und Internationalität, der Glanz der Scharen von Gelehrten Künstlern Druckern, das zu erstaunlicher Fülle entwickelte Kirchenwesen. Aus diesen Kreisen kamen die Kräfte, die Basels Leben in den höchsten Dingen bestimmten und lenkten. Zu ihnen trat die Macht des weitgespannten und kenntnisreichen

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 5. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/26&oldid=3403169 (Version vom 1.8.2018)