Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/260

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Führung dieser Schriftzüge Rhenans Reuchlins u. A. offenbart die um ihrer krausen Verzwicktheit willen berüchtigte Handschrift des Bonifaz Amerbach den nicht groß gearteten Menschen.


Wie der Humanist seine Schrift neu formt, so erlebt jetzt auch das gedruckte Buch, aber in weit größerem als nur dem humanistischen Bereich, eine Reformation seines Äußern.

Vor Allem wird für die dem Drucke dienende Type gleichfalls die anmutige frühmittelalterliche Buchstabenform wieder aufgenommen und eine Druckantiqua geschaffen: die „römische Type“, die seit den 1490er Jahren in Basler Drucken, zuerst in solchen Amerbachs, Verwendung findet. Ihr folgt die modernere feinere und elegantere Form einer durch Aldus in Venedig gebildeten Antiqua. Johann Froben nimmt diese herüber, als der Erste nördlich der Alpen, und beginnt ihre Verwendung mit seiner berühmten Ausgabe der erasmischen Adagia 1513.

Die weitere Ausbildung dieser Type durch Froben geschieht im Geiste derselben ehrgeizigen Konkurrenz mit dem Venezianer, die sich auch im frobenischen Verlage zeigt. Die literae aldinae vel frobeniae, die literae frobenaldinae sind berühmt. Martin Dorp in Löwen urteilt, daß der Basler Buchdruckerfürst in der Schönheit seiner Werke den Aldus übertreffe. Andere finden, nichts sei zierlicher klarer anmutiger als die Type Frobens. Zum Teil auf ihr ruht der Ruhm der Druckerstadt Basel; sie ist der gepriesene character basilianus

Aber diese Type ist nur eine Einzelheit in der umfassenden neuen Stilisierung des Buches. Diese entspricht dem Verlaufe, der das Buch nicht mehr nur Vervielfältigung der alten Handschrift sein läßt, sondern ihm Recht und Form eigenen Lebens gibt. Freie künstlerische Anschauungen verbinden sich mit Tendenzen der Gelehrsamkeit, mit allgemeinen Bedürfnissen der entwickelten Zeit. „Die Folianten werden handlicher, die Oktavbändchen häufiger, die Lettern deutlicher und damit kleiner und feiner, das Papier glätter, der Druck schärfer.“ Und zu dem Allem tritt nun noch ein hochgearteter künstlerischer Schmuck in Titel- und Texteinfassungen, Initialen und Signeten. Es entstehen in Basel jene unzähligen Werke, die als Schmuck- und Prachtstücke des Buchwesens über die Zeiten hin dauern und noch uns entzücken, nachdem der einst auch die reichste Form völlig beherrschende Inhalt längst um Leben und Ansehen gekommen ist. Auch hiebei wieder erweist sich Froben als der ruhmreiche Reformator. Adam Petri und Cratander folgen ihm in glänzender Weise.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 239. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/260&oldid=3403170 (Version vom 1.8.2018)