Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/281

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während nebenan im dunkeln Kabinet der Teufelskreis mit Drähten und Buchstaben und die Büchlein der Visionen und Konjurationen sich bergen, Hilfsmittel zum Heben von Schätzen, zum Zitieren von Geistern. Inmitten dieser gewählten Habe sehen wir den Huseneck selbst, der auch sein Äußeres pflegt und sich golddurchwirkte Hemden gönnt sowie silberne Degenscheiden, ein Schreibzeug von Zypressenholz und einen Affen als Haustier. Aber er ist nicht nur Sammler, nicht nur preziöser Amateur. Die Bildung dieses Fürsprechs imponiert seiner Umgebung, die ihn einen „wolberichten Mann“, einen doctus ac ingeniosus interpres legum nennt. Er denkt auch über die deutsche Sprache nach, über die Reinheit ihrer Formen, den Stil, die colores rhetoricales; wie überall, so hier wählerisch, nur das Feine und Ausgebildete schätzend. Er gilt als Autorität in diesen Dingen, daher ihn der Luzerner Etterlin zur Mitarbeit an seiner eidgenössischen Chronik heranzieht. Es handelt sich um Reinigung des Wortschatzes und um Verbesserung des Satzbaues in dem „von einem Welschen oder bösen Teutschen“ redigierten Manuskript. Huseneck übernimmt diese Korrektur und wird so zum Herausgeber des 1507 bei Furter erscheinenden berühmten Buches, der ersten gedruckten Schweizer Chronik.


Ausgiebig bezeugt ist innerhalb dieser gebildeten Laienwelt die Schicht der Schreiber Juristen Sachwalter Agenten und dgl., zu der Huseneck gehört. Eine bemerkenswerte Zwischenstufe, auf der Deutsch und Lateinisch, Deutsch und Französisch, Fachwissen und Halbgelehrsamkeit sich merkwürdig mengen.

Von Peter Hans Baltheimer dem laicus literatus an begegnen uns die Namen der Rechts- und Formenkundigen in langer Reihe bis zu den Beamten der Curien Lienhard Langwetter Sixt Selber Heinrich Karcher usw. Diese großen „Schreiber“, die Unentbehrlichen, erscheinen weniger kurial und geistlich als ehedem. Auch ihre Bildung ist reicher, und ihre Anpassung an die Zeit zeigt sich in Manchem, z. B. wie der Eine oder Andre sich die moderne Humanistenschrift aneignet oder sein Latein veredelt, aber auch wie der Sinn erwacht für Pflege und Ausbildung der deutschen Sprache.

Das sind die Praktiker, Vertreter jener Menschenart, für die der richterliche Klagspiegel Sebastian Brants, der Laienspiegel Ulrich Tenglers, die vielen Expositionen Introduktionen Vokabularien der populären Rechtsliteratur geschrieben worden sind. Aus ihrer Masse treten Einzelne vor wie die Lizentiaten Johann Crus und Johann Gut.

Sodann der vielbewährte Adelberg Salzman, einer alten Schreiberdynastie der bischöflichen Curie angehörend. Schon äußerlich empfiehlt er

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 260. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/281&oldid=3403193 (Version vom 1.8.2018)