Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/285

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Wir beachten zunächst die sprachliche Gestaltung dieser Werke.

Brants Monumentalwerk, das in Basel gedichtete Narrenschiff, redet in einer von der neuhochdeutschen Gemeinsprache abweichenden oberrheinischen Schriftsprache. Auch die Sprache andrer Basler Publikationen der Zeit ist durchaus dieser Schriftdialekt. Daneben aber werden hier auch Bücher in völligem Gemeindeutsch gedruckt. Schon die allgemeine Art Basels, dem großen neuhochdeutschen Sprachgebiete näher stehend und seinen Einflüssen zugänglicher als die Schweiz, zeigt sich hierin; außerdem aber ist an die den Satz herstellenden Arbeiter zu denken, die großenteils aus dem Reiche hier eingewandert sind; ihnen sowie den Verlegern und Druckern selbst ist zuzuschreiben, daß in die Werke des ortsüblichen Schriftdialektes, die hier verfaßt und gedruckt werden, gemeindeutsche Laute eindringen. Dies Verhältnis und dieser Widerstreit zeigen sich deutlich bei Pamphilus Gengenbach. Als Volksschriftsteller dichtet er im Schriftdialekt, aber in seinen Drucken dieser Dichtungen stehen zahlreiche Formen der Reichssprache, und auch da, wo er fremde Produkte druckt, z. B. das Namenbuch des Elsässers Konrad von Dankrotzheim, wird der Text vielfach an das Gemeindeutsch angepaßt. Außer Gengenbach ist Adam Petri zu nennen. So wie er 1518 für einen Augsburger Verleger ein Buch „in hochtutsch und sachsischer Sprach" zu drucken übernimmt, so hat er namentlich durch seine Art des Nachdrucks von Werken Luthers sprachgeschichtliche Bedeutung erlangt.

An eine so gewaltige Fülle volksmäßiger Produktion von Liedern Liedlein Tagweisen Sprüchen Zeitungen usw., wie sie später aus den Basler Offizinen Schauber Apiarius Schröter u. A. in die Welt hinausging, ist in dieser frühern Zeit wohl kaum zu denken. Aber auch die spärlichere Liederpoesie unsrer Jahrzehnte hat sich nur in Fragmenten erhalten, in einigen Meisterliedern vom Sündenfall, von Mordtaten usw. Auch die in Basel unaufhörlich entstehenden Momentdichtungen Parteilieder Streit- und Hohngesänge haben naturgemäß ihre Geburtsstunde nicht lang überdauert. Nur einige wenige Stücke dieser Art leben noch heute, wohl durch die Bedeutung der Ereignisse getragen, denen sie gelten, wie die Lieder auf die Niederlage der Venezianer bei Agnadello 1509, auf die Schlachten von Térouanne und Novara 1513, auf die Erwählung Karls V. Derselbe Pamphilus Gengenbach, dem einige dieser Lieder zugeschrieben werden, läßt als Verleger (zugleich als Autor?) Erneuerungen der Legende von den Jacobsbrüdern und des „Rebhänslin" (Begrüßungen und Segnungen des Weins) ausgehen. Seinen Namen tragen auch die Schrift über den Breisgauer Bundschuh und ein Gedicht über das fahrende Volk des Kohlenbergs.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 264. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/285&oldid=3403197 (Version vom 1.8.2018)