Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/293

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Der solchermaßen im Jahrzehnt 1504—1514 zu Stande gebrachte Rathausbau hat die Bedeutung eines Denkmals munizipalen Stolzes in großer Zeit. Eine goldene Weihinschrift widmete ihn Deo virtutique.

Voll Bewegung und Glanz ist wie die tüchtigsten Vertreter aller Gewerbe Basels, in der Spanne weniger Jahre an dem einen Unternehmen vereinigt, diesem ihr Bestes geben. Wir lernen sie Alle kennen. Nur der hochbefähigte Meister der allgemeinen architektonischen Disposition ist uns unbekannt.

Das Hinterhaus mit Ratsstube Gerichtsstube usw. wurde dabei in seinem alten Zustande belassen. Bis die neuen Bedürfnisse auch hier einzugreifen zwangen. Die Steigerung der Macht des Großen Rates führte zum Bau eines Großratssaales. Der moderne Staat war zu stolz und zu weltlich, um länger bei den Mönchen Gast sein zu wollen. Die Refektorien zu Predigern und Augustinern, die bisher den Sechsern gedient hatten, wurden ersetzt durch einen Saal im Rathause selbst, den man auf dem Hinterhaus aufbaute.

Gleichzeitig mit diesem Bau ist wohl die bis dahin fehlende Verbindung zwischen dem Hinterhaus und dem neuen Vorderhause gebaut worden. In der Form der Loggia und der zu dieser hinaufführenden großen Freitreppe lebte wiederum die Anregung Italiens.

Im Jahre 1517 waren diese Arbeiten begonnen worden. Ihre Beendigung wird uns dadurch gezeigt, daß 1519 Hans Dyg an der Hoffassade und in der Loggia Wandgemälde ausführte und daß am 12. März 1521 der Große Rat seine erste Sitzung im neuen Saale hielt.

Wir sind berechtigt, innerhalb der Basler Kunst bei der Jahrhundertwende das Vorhandensein großer Qualitäten anzunehmen. In dieser Zeit gesteigerten politischen und geistigen Lebens war Raum für ein starkes Gedeihen auch der Kunst.

Wenn schon Müdes und Ueberreiztes unter den Werken dieser Epoche sein mochte, ihr Bild im Ganzen ist doch bestimmt durch ein allgemeines Emporgehen. Bei dessen Betrachtung wir uns an den allgemeinen Verlauf zu erinnern haben. An das Dasein eines Geistes, unter dessen Herrschaft sich Gesinnung und Leben neu formten. Dieser frische Geist, auf jedem Gebiete wirksam, brachte auch das der Kunst in Erregung. Er führte die Kunst zur Entdeckung der Natur. Er lehrte sie reale Werte an die Stelle herkömmlicher Begriffe setzen. „In Klarheit und Kraft war ein neues Wollen auf dem Plan.“

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 272. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/293&oldid=3403206 (Version vom 1.8.2018)