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An diesem Leben war auch Basel beteiligt. Wie es in seiner Nähe die Isenheimer Herrlichkeiten vor Augen hatte, so schuf es selbst Werke von der Art der Laurentiusstatue zu St. Andreas und des Utenheimgrabes beim Münster. In Italien sprach man von einer scuola Basiliensis, deren Angehörige dort Arbeiten ausführten. Auch denken wir an den Meister der Offizin Vergman und an den Meister D S. Und keineswegs gewöhnlich war der Geist, der damals den Rathausbauplan erdachte.

In diese allgemeine Entwickelung griff nun eine neue Macht. Wie der deutsche Humanismus nicht nur aus der Antike und dem modernen Italien erwuchs, aber des Beistandes dieser fremden Kräfte sich bediente, so auch die deutsche Kunst der Zeit. Sie bewahrte ihren „selbstbewußt und lebenskräftig emporsteigenden neuen Stil“; aber sie nahm hinzu, was ihr paßte. Sie blieb bis hinauf in ihre größten Schöpfungen eine deutsche Kunst, wenn sie auch die italiänische Kunst kannte und das ihr Gefallende sich anfügte. Diese italiänische Kunst war das Naheliegende. Die im Norden waltende eigene Kraft in der Hauptsache unberührt lassend, wurde sie angenommen und erhielt Geltung „nicht wie eine Notwendigkeit, sondern wie eine Mode“.

Für Basel handelte es sich bei diesem Vorgange wesentlich um lombardische Kunst. Rom und Florenz kamen weniger in Frage, während Oberitalien, seit jeher den Baslern vertraut, jetzt auf neue Weise und in mächtig gehobener Stimmung auf Heerzügen kennen gelernt wurde. Zu den altgewohnten und allgemeinen Beziehungen fügten diese Kriege bei den vielen durch sie über die Alpen geführten Künstlern eine besondere lebendige Teilnahme. Außerdem ist noch an die neuerdings durch den Buchhandel geschaffenen Verbindungen, namentlich mit Venedig, zu denken.

Die frühesten Zeugnisse des Ergriffenseins durch italiänische Vorbilder begegnen uns in Basel zu Ende unseres ersten Jahrzehnts. Es sind Arbeiten des Urs Graf 1510 f. Ihnen gesellen sich sofort Werke Anderer, und rasch kommt die Zeit, da beinahe jeder Künstler modern sein will und die neuen Formen auch in seine Schöpfungen einfügt. Da auch im Edelschmiedwerk die „uf welsch“ gemachten Stücke und in der Tracht die „lampartische Arbeit“, die „mailändische Kunst“ Mode werden.


Im Jahre 1514, spätestens im Frühling 1515, kam Hans Holbein nach Basel. In einem Momente, dessen Bedeutung uns klar wird durch einfache Nennung einiger Tatsachen: seit Kurzem waren Glarean und Erasmus hier anwesend; Johann Froben führte als neuer Herr die amerbachische

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 273. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/294&oldid=3403207 (Version vom 1.8.2018)