Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/296

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jungen Fremden. Zu Beginn des Jahres 1517 scheint Holbein nach Luzern gegangen zu sein; von dort aus kam es im Frühjahre 1518 zur Reise über den Gotthard nach Oberitalien. Es war eine Reise, die ihm eine Fülle wichtigster künstlerischer Erlebnisse gab.

Nach Basel kehrte Holbein im Herbste 1519 zurück; am 25. September wurde er in die Himmelzunft ausgenommen. Er hatte jetzt festen Boden unter sich. Nicht nur in seiner Kunst; auch rechtlich. Im Jahre darauf, am 3. Juli 1520, wurde er Bürger der Stadt. Um dieselbe Zeit verheiratete er sich mit Elisabeth, der Witwe des Gerbers Ulrich Schmid.

Seine ökonomische Lage scheint bedrückt gewesen zu sein. Er war nicht Hauseigentümer wie so Viele der damaligen Künstler Basels; und daß er keinen Weinvorrat besaß, sondern sich den Tagesbedarf beim Weinschenk kaufte, war ein Zeichen von Dürftigkeit, an das man sich später, in der Zeit seines Glanzes, erinnerte. Auch die vielen Arbeiten für Verleger deuten gewiß auf Beschränktheit der Mittel. Aber das waren Äußerlichkeiten Vergänglichkeiten. In ihm selbst lebte Freiheit und das Glück einer übermächtigen und zugleich besonnenen Schöpferkraft.

Das denkwürdige Jahr 1519 ist auch die Schwelle zum zweiten Aufenthalte Holbeins in Basel, die Schwelle der sieben Jahre, innerhalb deren er, der noch nicht Dreißigjährige, unter ruheloser Arbeit an sich selbst, in nie stille haltender Entwickelung immer reichere Kraft erwies und eine Reihe hoher Kunstwerke schuf.

Dabei empfinden wir, von dem Künstlerischen absehend, schon die rein persönliche Art dieses Menschen. Mit seinem freien Blicke, seinem „schneidend scharfen Geiste“ steht er im Gewühle stark und unabhängig da. Aber, wenn wir recht sehen, auch isoliert. Wir wissen kaum etwas von seinem Alltagsleben. In den Gerichtsbüchern Urfehdeverzeichnissen usw. findet sich nirgends sein Name; nichts verlautet von Geldsachen, von Ausgelassenheiten wie bei den Kunstgenossen. Er beherrscht sich durchaus, aber er tritt auch Niemandem näher. Er malt den Amerbach, den Erasmus, den Froben; er schmückt die Bücher der Humanisten; er wird durch Diese beraten und mit Stoffen für seine Illustrationen und Dekorationen versehen; namentlich Rhenan, der Holbeins eminente Fähigkeit jedenfalls erkennt und sie für die Zwecke des frobenischen Verlages nützt, vermittelt ihm dabei die Kenntnis der Antike. Aber dies Alles verträgt sich mit einem innern Fernbleiben Holbeins von der Humanistenwelt. In den vielen Äußerungen dieser Welt ist nie die Rede von Holbein. Ein andrer Geist lebt in ihm, ein andrer in diesen Gelehrten und Pädagogen. Holbein ist viel mehr als nur ein Genosse dieser

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Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 275. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/296&oldid=3403209 (Version vom 1.8.2018)