Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/297

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Zirkel. Auch viel mehr als nur ein Socius der Zunft und der Lucasbruderschaft neben den Koch Dyg und Consorten. Er ist eine große Gestalt im Leben der Stadt überhaupt, aber umhüllt und ferne gerückt durch die Einsamkeit solcher Größe.


Während kurzer Zeit erscheint hier neben Hans Holbein auch sein älterer Bruder Ambrosius. Die Beiden waren vielleicht zusammen nach Basel gekommen. Ambrosius, dessen Andenken als Künstler durch zahlreiche bedeutende Werke gesichert ist, wurde am 24. Februar 1517 in die Malerzunft ausgenommen, am 6. Juni 1518 in das Bürgerrecht. Dann verschwindet er. Wahrscheinlich ist er der damals wütenden Epidemie erlegen.


Die Brüder Holbein hatten ohne Zweifel Beziehungen zum Goldschmied Jörg Schweiger, der ein Augsburger Stadtkind war gleich ihnen.

Außerdem ist an Beziehungen zu Hans Herbster zu denken, in dessen Werkstatt die Brüder anfangs gearbeitet haben mögen. Herbster war unter den damaligen Basler Malern der Senior (geboren 1470); er hat sie auch beinah Alle überlebt. Ein sicher bezeugtes Kunstwerk seiner Hand kennen wir nicht. Aber im Gerichtsbuch erscheint er oft bei Geldsachen Nachbarschaftsstreitigkeiten usw. Er hat den Ruf, ein Spieler zu sein und mehr zu schulden als er besitze. So zeigt auch sein durch Ambrosius Holbein gemaltes Porträt von 1516 einen rauhen unguten Mann mit struppigem Haare tief in der Stirn und finstern Brauen.

Wir sehen uns um nach den übrigen Malern, zwischen denen sich Holbein hier zu bewegen hatte.

Die nationalen Unterschiede in ihren Reihen konnten gerade damals, in politisch hocherregter Zeit, schroffe Gegensätze sein. Stärker noch und persönlicher wirkten Verschiedenheiten des Talentes und der Art. Zumal im Momente, da ein neuer Stil mit seinen Geboten und Lockungen sich glänzend erhob. Kämpfe innerhalb heutiger Künstlerschaften, mir ihrem Neid, ihrer Gehässigkeit, ihrer Herrschsucht Einzelner, geben eine Ahnung davon, wie es damals in der Basler Künstlerschaft zugehen mochte, im Kreise dieser Herbster Dyg Koch Graf Zeller usw. mit ihren Schongauerweisen Dürerweisen Baldungweisen usw. und den Anbequemungen an die neuen italiänischen Manieren. Unaufhörlich war Anlaß vorhanden zu Parteiung und Streit, bis dieser junge Augsburger kam und rasch der Besieger Aller wurde, aber wohl auch der von Allen zusammen gleichmäßig Gehaßte.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 276. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/297&oldid=3403210 (Version vom 1.8.2018)