Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/302

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von Künstlern geboten. Wobei das Herrlichste wiederum holbeinisch ist: Zeichnungen für Becher und Dolchscheiden. In größerer Zahl allerdings haben sich solche Entwürfe des Meisters erst aus seiner spätern, englischen Zeit erhalten. Diese Spangen Agraffen Spiegelrahmen Tafelaufsätze usw. weisen in die Kreise derselben großen Gesellschaft, die den Holbein auch als Bildnismaler in Anspruch nimmt. Dürfen wir sagen, daß Holbeins Arbeiten für Glasmaler mit der Buchkunst zusammen gegangen sind, diejenigen für Goldschmiede mit dem Porträt der vornehmen Welt? Waren die Basler Goldschmiede Angelrot Schweiger Öder usw. einer solchen Hilfe überhaupt weniger bedürftig? Oder haben wir es nur mit einem Zufalle der Überlieferung zu tun?


Auf allen Gebieten steht Hans Holbein zunächst im Gegensätze zur vorhandenen Basler Kunst. Aber er wird ihr Führer und ihr Umgestalter. An eigentliche Werkstatt- oder Schulverhältnisse zu einzelnen Künstlern ist kaum zu denken, umsomehr an die unwiderstehlich bezwingende Macht des Stärkern.

Zu Vielen gesprochen hat Holbein in seiner Zeit namentlich durch die Buchdekoration sowie durch Wandmalereien; heute geht seine Wirkung von den wenigen Einzelbildern aus.

Nach den Gemälden der Kreuztragung, 1515, dann des Abendmahls, der Geißelung und anderer Passionsszenen treten namentlich die Bildnisse des Jacob Meyer und seiner Frau 1516 und des Bonifaz Amerbach 1519 hervor. Sodann das Gemälde an der Hausfassade zum Tanz mit seinem gewaltigen und festlichen, alle enge Gassenart weit überfliegenden Tempo.

Den Aufträgen des Jacob Meyer, des Bonifaz Amerbach, des Bischofs Christoph, des Goldschmieds Angelrot als Eigentümers des Hauses zum Tanz werden bald diejenigen der Oberriet Gerster Erasmus folgen. Aber schon im Jahre 1521 stellt der Rat der Stadt selbst dem Künstler eine Aufgabe ohne Gleichen: die Bemalung der Wände im neuen Großratssaale.

Im Sommer 1521, dann im Jahre 1522 vom Februar bis zum Dezember, malte Holbein zwei Wände des Saales, die gegen den hintern Hof der Fensterwand gegenüber liegende und die an das Nachbarhaus Windeck grenzende. Wir dürfen wohl auch an eine dazu passende Dekoration der Fensterwand und der Fenster selbst denken, überdies vielleicht an ein Mitreden Holbeins bei der sonstigen Gestaltung des Saales an Decke Tragepfeilern Stuhlwerk. Seine Gemälde bestanden aus Einzelfiguren — Gerechtigkeit Weisheit Verschwiegenheit usw. — und breiteren figurenreichen

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 281. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/302&oldid=3403216 (Version vom 1.8.2018)