Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/32

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Mit einer Offenheit, die wir nicht missen möchten, reden die Leidenschaften. Es ist der durch alle Lande des Oberrheins verbreitete Zorn, daß dieses berühmte Basel, das ja zum Elsaß gehört, abtrünnig geworden ist und in ihm nun der gehaßte siegreiche Eidgenosse Fuß am Rheine faßt.

Der altgewohnte nachbarliche Hader wächst zu neuer Erregtheit, die im Sundgau und im Breisgau, auf der Landstraße und in jeder Schenke sich gewaltsam äußert.

Ein Basler Gerichtsbote wird unweit Breisach niedergeschlagen, ein Basler Schiffmann daselbst bedroht und zu rascher Flucht genötigt. An der Ötlinger Kirchweih und beim Neuen Hause geraten Basler und Markgräfler hinter einander. Hans von Thann und seine Genossen sind verdächtig, in Basel Feuer einlegen zu wollen, und die Heimlicher erhallen Befehl, auf diese Bande zu fahnden; sie sollen auch die Blotzheimer beibringen, die Trotz- und Schmähreden wider Basel führen. In solcher Weise geht es weiter, unaufhaltbar schonungslos giftig, bis zum Vorwurfe, daß das schmutzige Laster, dessen man die Schweizer bezichtigt, nun auch das Laster der Basler geworden sei. Ihre Büchsenschützen bekommen diesen Vorwurf auch am Schießen in Straßburg 1503 zu hören. So gut die Leiter des Festes die Basler Gäste aufnehmen, das Volk begegnet ihnen feindselig; dem Hans Kilchman rufen sie nach, daß die Ketten über seiner Brust von dem Golde gemacht seien, darum er den Mailänder Herzog bei Novara habe verkaufen und verraten helfen.

Separat in diesem ganzen Treiben steht Rheinfelden. Diese kleine Landstadt mit ihrem Neid auf die unerreichbar große Nachbarin ist wie früher so auch jetzt wieder der Sitz eines ganz speziellen Hasses. Wobei die Befeindung Basels über das sonst übliche populäre Unwesen des Schmähens und Schädigens hinaus zum offiziellen Handeln wird. Schultheiß und Rat der Stadt, der Vogt Michel Reutner, der Hauptmann der Waldstädte Ulrich von Habsberg führen ihren eigenen Krieg wider Basel. Natürlich kann es kein offener und ehrlicher Krieg sein; aber in Quälereien und Schikanen ohne Ende ergeht sich diese Feindschaft. In Besteuerung der in der Herrschaft gesessenen Leute Basels, in Demolierung des Grenzhags, Aufstellung eines Hochgerichts auf Basler Boden, Hinderung Basels am Betriebe seines Steinbruches, Usurpation von Rechten über das Wirtshaus an der Augster Brücke usw. usw. Aber über alles Derartige hinweg kann es kommen bis zum Schein einer eigentlichen Bedrohung Basels; im März 1503 z. B., da bei einer Musterung der Rheinfelder auf dem Möhlinfelde schlimme Reden über Basel geführt werden. Wochenlang hat Basel

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Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 11. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/32&oldid=3403234 (Version vom 1.8.2018)