Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/326

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Diese Allianz, die neben den Ewigen Frieden von 1516 trat, war ein Defensivbündnis. Sie gab dem Könige das Recht, zum Schutze seines Landes, nicht zu offensiver Verwendung, jederzeit Mannschaft in der Schweiz zu werben; sie verpflichtete den König zur Hilfeleistung für den Fall, daß die Eidgenossenschaft angegriffen würde. Sie erhöhte die Pension um die Hälfte.

„Der unser Todfeind gewesen, wurde jetzt um Geldes willen unser Freund“, urteilte ein Basler. Jedenfalls trat die Eidgenossenschaft in eine dauernde Abhängigkeit von Frankreich, der gegenüber der habsburgische Einfluß — auf der mit der Allianz im Grunde nicht vereinbaren Erbeinigung von 1511 ruhend — zurückwich. Im Auslande konnte die Empfindung berechtigt sein, daß durch den Ewigen Frieden und dieses Bündnis die Eidgenossenschaft eine außerdeutsche Macht geworden sei.


Befreiung der Stadt vom Bischofsrecht, Übernahme der französischen Verpflichtung, — das Eine wie das Andere stand noch im Zusammenhange der bisherigen Art des Regierens und war das Werk Derjenigen, die seit einem Jahrzehnt die Geschicke der Stadt in Händen hielten. Es waren auch ihre letzten ansehnlichen Leistungen.

Was aber unmittelbar folgte, war das Werk eines neuen Geistes.


Früher schon Gesagtes ist nicht zu wiederholen. Zur angebornen Tadelsucht der Basler tritt eine durch den Weltverkehr, aber auch durch die geistigen Mächte des Ortes selbst geweckte Unbefangenheit des Urteils; bei der Kritik des Regimentes durch die Einwohnerschaft, die hiebei zu Stande kommt, handelt es sich um einen nicht wegzudenkenden Teil öffentlichen Wesens. Auf dem Gegensatze der Regenten und der Volksmenge ruht das politische Leben der Stadt. Er bewegt auch jetzt Gedanken und Leidenschaften. Aber es ist nicht mehr der Widerstreit des gemeinen Mannes gegen die traditionell in die Herrschaft Geborenen, sondern der Gegensatz innerhalb der Welt des gemeinen Mannes selbst.

Adel und Patriziat sind ganz oder beinahe dahin. Die Gewalt des Staates ist in den Händen der Zünfte. Indem nun einige fähige und ehrgeizige Zünftler, Repräsentanten einer nur engen Gruppe, diese Gewalt für sich in Anspruch nehmen und üben, unter ihnen aber die gestaltenreiche Masse des Volkes wogt und, nach seiner Meinung durch Jene übervorteilt, gleichfalls Fähigkeiten und Rechte geltend macht, entsteht ein Kampf, der neuer Art ist und noch tiefer trifft und verwundet und erregt, als der ehemalige

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Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 305. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/326&oldid=3403240 (Version vom 1.8.2018)