Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/374

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geben über seine Person und seine Absichten. Seine Thesen galten hauptsächlich der Bekämpfung der Werkheiligkeit; der Verwerfung des Meßopfers; der Erklärung, daß uns die vollkommenste Lebensregel durch Christus und sein Wort gegeben sei. Mitten in die Erregungen der kaum erst geschehenen Disputation Störs hinein kam Farel. Wieder versuchten Universität und bischöfliche Regierung die Abhaltung zu hindern, wieder schritt der Rat ein und gebot, daß alle Seelsorger Predikanten Priester Studenten Universitätsverwandten dem Gespräche beiwohnten. Zu Beginne des März 1524 fand es statt, in zahlreicher Versammlung. „Es kam viel Gutes davon,“ meinte der evangelische Chronist und datierte von ihm ein starkes Wachstum der neuen Bewegung.

Nur ein halbes Jahr dauerte Farels Basler Aufenthalt. Aber diese kurze Zeit ist reich an Leben. Die stürmische Art des Mannes hielt Alles in Bewegung. An die Disputation schloß Farel Vorlesungen; dann machte er den Prediger für das „Gemeindlein“ hier lebender Franzosen. Daß er Feinde hatte, war nicht nur Folge seiner Lehre. Ökolampad selbst, bei dem er wohnte, tadelte sein bitteres und mißgünstiges Wesen, sein Verkleinern Andrer, seine Heftigkeit.

Wie reich an Friktionen mußte überhaupt das Nebeneinanderleben dieser so verschiedenen Kommilitonen sein, der nüchternen tätigen Ostschweizer, der gescheiten und hartnäckigen Schwaben, der unruhigen phantasievollen heißen Wälschen! Wir hören die scharfen Worte der Letztern über die Wittenberger oder über die unklare Haltung Ökolampads im Streit um die Messe; Toussain schilt bald über den „untätig schlafenden“ Ökolampad, bald verehrt er ihn und erklärt ihm Alles zu danken, usw.

Erasmus, der auch im Kreise von Meaux seine Verehrer hatte, lernte nun hier diese Wälschen kennen. Toussain gefiel ihm. Um so weniger Farel. Während er in Ökolampad noch immer den Humanisten zu sehen vermochte, schienen ihm Farel und Genossen zugleich das Evangelium verhaßt zu machen und die Wissenschaften zu Grunde zu richten; in zehn Versen Farels sei keine einzige richtig gebrauchte Silbe. An Zwischenträgern solcher Reden fehlte es natürlich nicht, und so konnte Erasmus auch vernehmen, daß Farel ihn einen Bileam schelte, u. dgl. m.

Daß dieses Zerwürfnis mit Erasmus dem Aufenthalte Farels in Basel ein Ende gemacht habe, behauptete er später selbst. Jedenfalls kam das Ende unerwartet rasch. Im Juli 1524 erhielt Farel den obrigkeitlichen Befehl zum sofortigen Verlassen der Stadt. Es war die Beseitigung eines Störefrieds, schroff verfügt wie im Jahre zuvor die Ausweisung des Provinzials

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 353. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/374&oldid=3403291 (Version vom 1.8.2018)