Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/390

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war der durch Eide bekräftigte Beschluß Kleinen und Großen Rates, in diesen schweren Zeiten zusammenzuhalten und Leib Leben Blut und Gut für einander zu wagen.

So wenig wir im Einzelnen erfahren, das Eine ist deutlich, daß die Zunftvorstandschaft in ihrer Gesamtheit — wobei einzelne Dissidenten nicht in Betracht kommen — zum Rate hielt, und daß im festen Stamme der bürgerlichen Gemeinde auch die Evangelischen nichts gemein haben wollten mit dem Abenteuer.

Von „allerlei Volk“ redete der Rat, das bei dieser Vorstadtunternehmung sich beteiligte. Es waren Weber Rebleute Gärtner; wohl nur wenige Meister, die Mehrzahl Gesellen und Arbeiter, manche Fremde, neben leichtsinnigen und unverantwortlichen Existenzen einige gewichtigere Männer, der beste Kopf unter Allen jedenfalls der schon genannte Leiderer.

Aber es geschah nichts von dieser Seite her. Aus den bittern Reden wurden keine Taten, und als Mancher noch sich ängstigte, war die Gefahr schon vorüber, durch das rasche Haltgebieten der Machthaber beseitigt.

Der Rat konnte zuversichtlich einen Schritt weiter tun zur Einwohnerschaft selbst. Am 3. Mai ließ er seine Deputierten zu den in den Zunfthäusern versammelten Gemeinden gehen und ihnen Dasselbe vortragen, was er Tags zuvor den Sechsern berichtet hatte. Überall fanden die Räte guten Willen und entschlossene Zustimmung, keine Beschwerden wurden laut.

So war der Rat Sieger und Herr, der Kern städtischen Wesens durch dieses Zusammenstehen neu gefestigt. Auch hatten Klerus und Klostervolk die bis dahin hart verteidigten Privilegien in ihrer Angst selbst preisgegeben; sie erhielten dafür die Aufnahme ins Bürgerrecht.

Dieser städtische Aufstandsversuch, schlecht vorbereitet, war, kaum begonnen, schon gescheitert. Aber was ihn bemerkenswert macht, ist die Vielheit der Interessen und Wünsche — politischer wirtschaftlicher religiöser Art —, denen er dient, und ist ferner seine Komplikation mit einer Erhebung des Basler Landvolkes.


Während der letzten Jahrzehnte war das Oberrheinland wiederholt durch Bauernunruhen erregt worden — den Bundschuh Hans Ulmans 1493, den Aufruhr bei Bruchsal 1505, den Bund von Lehen 1513, die Aufstände in der Rufacher Mundat und in Bühl 1514, — dasselbe Land, in dem damals die Not des kleinen Mannes Wortführer von ergreifender Macht fand: den alten Wimpfeling und den Ungenannten, dem wir den Revolutionstraktat verdanken.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 369. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/390&oldid=3403309 (Version vom 1.8.2018)