Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/404

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sich eifrig für die fremden verwendet. Es geht sogar die Rede, daß es ihnen Geld geliehen habe. Überall in Basel, bis hinauf in die Räte, hat der „redliche bur“ der Nachbarschaft seine Freunde. Und der Jungmannschaft öffnet sich dabei auch eine neue Art Reislaufs. Scharenweise strömen sie in den Sundgau hinaus, den Bauern zu, die ihnen Sold geben. Caspar David der Metzger, Jacob Linder der jüngere zum Meerwunder, der Kartenmaler Wolfgang Gewicht, der Arzt Stefan Bart, Oswald Banwart, Urban Blechnagel, Jerg Trubelman sind Einige aus den Basler Söldnern im Bauernheere.

Aber die städtischen Zuzüger halfen den Bauern wenig. In ergreifenden Worten schilderten Diese dem Rat ihre Lage, ihre schrecklichen Leiden. An Allem verzweifelnd und keine andre Rettung sehend baten sie die Eidgenossen, den Sundgau zu Handen zu nehmen. Es war ein Vorschlag, der grenzenlose und blendende Aussichten öffnete; aber die Zeit solcher Unternehmungen war für die Schweiz vorbei. In den erbitterten innern Kämpfen waren Kraft und gegenseitiges Vertrauen der Eidgenossen untergegangen.

Inzwischen war vom Markgrafen Philipp, Ernsts Bruder, dem Erzherzog Ferdinand eine gütliche Vermittelung durch ihn, Philipp, und die Stadt Basel vorgeschlagen worden, und Ferdinand hatte dies angenommen. Bei der Lage der Dinge konnte eine solche Vermittelung, deren Gedanke ja schon den ganzen Verlauf der oberrheinischen Rebellion begleitet hatte, jetzt nur noch Wort und Form sein; in der Sache selbst brauchte sich Österreich weder durch einen Fürsten wie Philipp noch durch eine Stadt der Nachbarschaft dreinreden zu lassen.

So kam es zu der, im Grunde nur gespielten Mediation, und es ist schwer zu begreifen, daß sich der Basler Rat zu dieser traurigen Rolle hergab. Vielleicht hoffte er doch noch Gutes wirken zu können. Aber die Vermittler hatten gebundene Hände; nur auf Grund der durch Ferdinand formulierten Artikel sollten sie Frieden machen können. Diese Artikel bedeuteten gänzliche Unterwerfung der Bauern unter die Willkür der Herren; wesentliche Milderungen anzubringen gelang den Vermittlern nicht. Am 18. September 1525, in Offenburg, kam es zum Abschlüsse dieses durch Übermacht und Rachgier diktierten Friedens; die Vertreter der Bauernschaft, hoffnungslos und resigniert, nahmen ihn an; Philipp und die Stadt Basel aber ehrten ihn durch das Anhängen ihrer Siegel.

Sofort folgte das grausame Vollziehen des Vertrages, das erbarmungslose Peinigen der Unterlegenen. Es kam zu einer „Bändigung und Züchtigung, die alle Ausschreitungen der Revolutionäre weit übertraf“.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 383. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/404&oldid=3403324 (Version vom 1.8.2018)