Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/406

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Rechnungsposten über heimliche Wachten Zuwachten Extrawachten, über Ausrüstung mit Büchsen Spießen usw. vergegenwärtigen deutlicher als viele Worte, welche Last auf dem Gemeinwesen lag, mitten im allgemeinen Drange dieses denkwürdigen und blutigen Jahres. Die arge Verwirrung der Dinge hören wir beklagen. Allenthalben war zu viel des Jammers, und wie ein tröstliches Wunder konnte Manchem die Sommerherrlichkeit erscheinen, die über der gepeinigten Erde stand und eine seit Langem nicht mehr geschaute Fülle von Früchten reifen ließ.


Diese Zeit starker Bewegung alles städtischen Daseins war von Wichtigkeit auch für die Einwohnerschaft als Gesamtheit.

Schon Gesagtes über ihr Wesen und ihre Struktur ist nicht zu wiederholen. Nur das Eine nochmals zu betonen, wie sehr gerade dieses Basler Stadtvolk zu allen Zeiten und in der Hauptsache stets zu seinem Nutzen der starken Mischung fremder Elemente unter die eingebornen ausgesetzt war. Mit besonderer Stärke geschah dies jetzt, da die von allgemeiner Unruhe dahingerissene und wie neu beweglich gewordene Menschheit auch Basel in Anspruch nahm. Vor uns ist ein Auf- und Niederwogen in beständiger Mutation der Einwohnerschaft; wir können aber nur einige Gruppen solcher Zuwandrer hier beachten: die vom Reichsboden Herüberkommenden, die zahlreich sind und denen das neue Basel glänzende Gestalten verdankt; dann die Scharen aus Westen und Süden, französische Buchhändler Buchbinder Barettmacher Gelehrte Evangelisten Formschneider, Spediteure und Pferdehändler aus Italien, komaskische Maurer. Auch Adelsgruppen neuer Art machen sich, wie schon bemerkt worden ist, geltend; ohne die Hemmungen, die den Abkömmlingen der alten Geschlechter das Verhältnis zum jetzigen Basel schwer machen, leben diese Ostheim Waldner Reutner Ebinger Klingenberg frei und unbefangen inmitten der Bürgerlichkeit; ein besonders deutlich bezeugter Typus dieser neuen Nobilität ist Junker Christoph von Staufen. Die Kaufleute, durch eine neue Gewerbeordnung eingeengt und auf bestimmte Betriebsformen beschränkt, aber gleichwohl noch immer die starken Träger des Gedeihens, finden jetzt neue Vertretungen in den Rechburger Schultheiß Löffel Mentelin u. A.; bei ihnen steht auch die patriarchalische Gestalt Stoffel Burckhardts. Es ist Hebung und Mehrung des städtischen Wesens von allen Seiten her; durch die Kriege Religionswirren Aufstände ringsum werden die mannigfaltigsten Gestalten herein getrieben. Zahlreiche, die hier ein gesichertes Ausruhen

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 385. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/406&oldid=3403326 (Version vom 1.8.2018)