Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/42

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Arrestierung österreichischer Angehöriger nicht durch den neuen Vertrag geschädigt sein würden; ein kaiserlicher Beibrief vom 17. Mai 1511 gab ihm diese Garantie.

Sodann bedurfte es noch der Auseinandersetzung mit dem über den Verlauf des Chiasser Zuges erzürnten Papst. Im Dezember 1510 hatte sich hiefür eine schweizerische Gesandtschaft ans päpstliche Hoflager Bologna zu begeben. Sie fand Julius von Krankheit kaum genesen, inmitten stärkster Aufregungen und Sorgen. In solchem Zustand empfing er die Eidgenossen „zornmüticlich“, ihre Reden wiederholt unterbrechend, mit den heftigsten Worten sie anfahrend. Einer unter ihnen aber war der Basler Stadtschreiber Gerster, ein der Curie wohl bekannter Führer der päpstlichen Sache in Basel; er hatte im kleinen Ausschusse weiter zu verhandeln, und sein Werk wohl war der ausführliche Gesandtschaftsbericht, der dann an die Tagsatzung erstattet wurde.


Wir begegnen diesem Papst und seinem gewaltigen politischen Wollen wieder im Oktober 1511 bei Schaffung der Heiligen Liga. Sie ist gegen dasselbe Frankreich gerichtet, das eben jetzt die Schweizer durch neue Gewalttaten gereizt und in die arge Enttäuschung des Kaltwinterfeldzuges getrieben hat. Führer der Liga ist der Papst, ihre Genossen sind Venedig und Spanien, bald auch England und Kaiser Max.

Angesichts solcher Größe und im Gedanken an das vor kurzem selbst Erlebte sammelt nun auch die Eidgenossenschaft all ihre Kräfte zu einem mächtigen Unternehmen. Ihr Ziel ist, den Franzosen das Herzogtum Mailand zu entreißen und selbst darüber zu verfügen.

Die Instruktionen des Basler Rates zur Tagsatzung zeigen uns lebendig, wie diese Politik sich entwickelt und festigt. Sie haben einen neuen Ton von Entschlossenheit. Die vorgeschlagene Erteilung von Geleit an eine französische Gesandtschaft wird als eine Verletzung unsrer Ehre abgelehnt. Mit allen Mitteln soll auch unsrerseits dafür gearbeitet werden, daß Kaiser Max Frankreichs Gegner werde und mit Venedig Frieden schließe. Man solle eine Gesandtschaft an die Signorie abgehen lassen, bei welcher Gelegenheit dann auch von den Kriegsvorbereitungen geredet werden könne. Denn Frankreich müsse angegriffen werden, nicht, wie Bern meine, durch einen Zug ins Burgundische, sondern in Italien, wo das Volk noch vom Winterfeldzuge her voll Schreckens vor den Schweizern sei.

Über einer so gestimmten Eidgenossenschaft ging das glorreiche Jahr 1512 auf. Es brachte vorerst die zwei wichtigen Ambassaden nach Venedig und Trier.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 21. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/42&oldid=3403341 (Version vom 1.8.2018)