Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/44

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Kirche genannt wurde. Das ihn Auszeichnende aber war die mit Wucht geschehende Erhebung der gesamten Eidgenossenschaft, war ferner das entschiedene Wollen selbständigen Eingreifens und souveränen Handelns. Schon ein Jahrzehnt früher hatten die Schweizer einem Florentiner gesagt: sie wüßten nicht, warum sie nicht eines Tages auf eigene Rechnung kämpfen könnten. Dieser Tag war jetzt gekommen.

Am 6 Mai 1512 zog das Basler Kontingent, in der Stärke von sechshundert Mann, aus dem Tor, angeführt durch Jacob Meyer zum Hasen. Die Reise ging über Zürich. Unterwegs in Rapperswil stießen sie auf einen Basler Schuhmachergesellen, der aus Italien heimkam; vor vier Wochen hatte er als französischer Söldner in der Ravennaschlacht mitgefochten. Durch Chur, dann über den Albula, das Engadin hinab, über den Ofenpatz nach Glurns, durch das lange Etschtal bis Trient, — von Station zu Station begleiten wir an Hand der Rechnung die Marschierenden; neben Batzen und Kreuzern zeigen sich quattrini, Marcellini u. dgl.; man kauft Pomeranzen usf. Über Roveredo ziehen die Basler nach Verona, wo sie am 25. Mai ankommen. Die ganze Stadt ist auf den Beinen, Alles jubelt und schreit: Imperium, imperium! Bald kommt auch Schiner eingeritten. Die schweizerischen Kontingente finden sich zusammen, gegen zwanzigtausend Krieger. „Eine so hübsche Mannschaft, auch in so guter Ordnung, daß jedermann Verwunderung und Wohlgefallen an uns hat.“

Bei den andern Hauptleuten sitzen nun die Basler Führer und entwerfen den Plan des Angriffs. Mit der behaglichen Stimmung der Marschtage ist es vorbei, und wir sehen andere bewegtere Bilder: das mächtige, ungeduldig wogende Heer der Eidgenossen; seine Vereinigung mir den Venezianern bei Villafranca; dann immerzu und nicht mehr nachlassend von der ersten Waffentat, von der Eroberung von Valeggio am Mincio an, das atemlose unwiderstehliche Vorwärtsstürmen, das Bedrängen Werfen Verfolgen der Franzosen. Cremona Lodi Piacenza Parma ergeben sich. Erst in Pavia ist härterer Widerstand; aber am 18. Juni abends wird die Stadt im Sturme genommen, und unter den Ersten, die eindringen, sind die Basler. „Sie haben sich so tröstlich gehalten, daß ihnen Lob und Preis gegeben wird. Umgekommen sind Pfifferhans von Waldenburg und Fridli zur Eich von Mülhausen; Gott sei ihnen gnädig. Sonst sind wir Alle in Gesundheit; Etliche sind gewundet, es steht aber gut um sie“. Die Stadt kauft sich durch Zahlung eines Monatssoldes von der Plünderung frei; unter dem gewonnenen Geschütz ist ein berühmtes Hauptstück, Madonna de Forlina genannt, das Herr Jacob Meyer vor der Stadtmauer erobert hat

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 23. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/44&oldid=3403363 (Version vom 1.8.2018)