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Messe finden wir ihn und in Italien; unter den Schätzen der dalbergischen Bibliothek zu Ladenburg suchte er Anecdota für die frobenischen Pressen.

Am 11. Januar 1524 heiratete er die Anna Lachner, Schwester seiner Stiefmutter. So wurde er der Schwager seines Vaters. Es war eine unnatürliche Verbindung, die an sich schon alle Schwierigkeiten und Wirrnisse möglich machte, wie viel mehr noch bei Hieronymus Froben. Schon jener Brief, den Erasmus am 14. August 1521 aus Brügge an den Zwanzigjährigen richtete, deutet auf Spannungen zwischen Diesem und dem Vater. Ganz unverhüllt aber zeigt Erasmus einige Jahre später seinen Unwillen über das Benehmen des Hieronymus, der den Vater lieblos verachte und sich mit der Stiefmutter-Schwägerin, — „mit einem solchen Weibe!“ — gegen den alten Herrn verschwöre.

Im Oktober 1527 starb Johann Froben, und wieder hören wir den Erasmus; nicht würdiger konnte der Tote geehrt werden, als durch die wiederholten Klagen und Lobpreisungen des großen Freundes.

Bald darauf heiratete die Witwe Gertrud den Johann Herwagen, wie es scheint mit Zutun des Hieronymus; „er hat sie in diese Ehe getrieben“, sagte Erasmus. Neben Hieronymus, dem Kind erster Ehe, waren aus der lachnerischen Ehe Frobens drei Kinder da: Justina, Johannes Erasmus, Ursula; außerdem lebte eine natürliche Tochter Margaretha.

Johann Herwagen, aus dem Hegau stammend, hatte seit 1523 eine Druckerei in Straßburg betrieben und da die Prophetenkommentare des Franz Lambert, Schriften Luthers und Melanchthons usw. verlegt. Dann scheint ihn der Tod des Johann Froben zur Übersiedelung nach Basel veranlaßt zu haben, wo er 1528 die frobenische Witwe zur Frau nahm und Bürger wurde.

Er heiratete in Leben und Betrieb des Sessels hinein; auch erwarb er sich das Wohlwollen des Erasmus. Mit seinem Stiefsohne Hieronymus Froben zusammen übernahm er die Offizin samt ihrer Kundschaft, ihrem Literaturgebiet und ihrem Ruhme; bald trat auch der bisherige Korrektor Frobens, Nicolaus Episcopius, in diese Gemeinschaft ein. Indem er 1529 Justina Froben, des Johannes Tochter, heiratete, kam zur geschäftlichen Verbindung die verwandtschaftliche.

Episcopius bezog mit seiner jungen Frau die durch den Weggang des Erasmus leergewordene Wohnung am Nadelberg; Hieronymus scheint zunächst im Hause Arau am St. Petersberg gewohnt zu haben, das er 1527 gekauft hatte; Herwagen übernahm wohl mit der Witwe die väterliche Wohnung im Hause zum Sessel, wo auch Druckerei und Verlag waren.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 440. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/461&oldid=3403387 (Version vom 1.8.2018)