Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/479

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

der auf seinen unsteten Wanderfahrten auch einmal in Basel pausiert. Stärker an dem Grammatiker Johann Susenbrot. Zwischen drückenden Schuldienstjahren, in Leutkirch Pfullendorf Schaffhausen Wangen und später in Ravensburg hingebracht, kommt Susenbrot 1521 in die akademische Luft Basels; er wird hier Magister und genießt drei Jahre lang, 1522—1525, ein städtisches Honorar für Vorlesungen an der Universität; später dienen seine Schemata auch in den Basler Schulen als Lehrmittel.

Es sind lauter Gestalten voll Frische. Ihre Tätigkeit an den Schulen ruht hergebrachter Maßen vor Allem im Gelehrtenhaften, im Humanistischen.

Außerdem aber machen sich jetzt im Schulwesen geltend auch Anregungen und Forderungen, die von der kirchlichen reformatorischen Seite her kommen. 1524 erscheint hier im Drucke das „Leerbiechlin, wie man die Knaben christlich underwysen und erziehen soll“, mit Ceporins Praeceptionen.

Doch die Zeit verlangt noch Anderes. Sie will, daß auch der alltäglichen Notwendigkeit, der Sprache des gemeinen Mannes, jetzt in neuer Weise gedient werde, ernster eindringlicher systematischer, als bisher durch die Lehrer und Lehrfrauen der Elementarschulen geschehen ist.

Der zuerst in Basel diesem Bedürfnisse gerecht wird, Johann Kolros, gewinnt sich damit neben Fabian Frank und Valentin Ickelsamer einen Ehrenplatz in der Geschichte der deutschen Sprache. Als „deutscher Schulmeister zu Barfüßern in Basel“ schreibt Kolros das im Jahre 1530 hier gedruckte Enchiridion, ein Handbüchlein deutscher Orthographie und Anleitung zum Lesen und Schreiben. Kolros „hat den Ruhm, der Erste zu sein, welcher in hochdeutscher Sprache die deutsche Orthographie auf systematische, nahezu vollständige Weise behandelt hat“. Sein Buch ist eine Sprachlehre, die schon die Anfänge einer deutschen grammatikalischen Terminologie hat und auch bewußt zwischen Dialekt und Schriftsprache unterscheidet. Kolros schrieb sie, wie er sagte, weil viele Eltern durch die deutsche Bibel angetrieben worden seien, ihre Kinder in die deutsche Schule zu schicken und sich auch selbst um die Kunst des deutschen Schreibens und Lesens zu bemühen; er gab zugleich Anleitung zu Benützung und Verständnis der Bibelstellen. Die Eignung des Kolros zu solcher Lehre und seine geistige Art überhaupt erweisen sich noch durch andere Leistungen, mehrere Kirchenlieder sowie ein volkstümliches Drama: das Spiel von fünferlei Betrachtnissen (Basel 1532).

Zur gleichen Zeit wie Kolros lebt in Basel der Augsburger Sixt Birk (Xystus Betulejus), der nach Studien in Erfurt und Tübingen sich am letzten Tage des Jahres 1523 bei der hiesigen Universität inskribiert.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 458. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/479&oldid=3403406 (Version vom 1.8.2018)