Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/480

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Er sitzt unter den Hörern Sicharts und Amerbachs; am 13. Juni 1527 funktioniert er als Zeuge beim Testamente des Erasmus. Wahrscheinlich als Korrektor arbeitet er hier; zu Beginn der 1530er Jahre begegnet er uns als Schulmeister zu St. Theodor und verfaßt eine Reihe von Dramen: Ezechias Zorobabel Susanna Joseph Judith usw.


Alles vollzieht sich mitten im Leben Basels, im Rahmen der schönen und berühmten Stadt, der Ursinus Velius seine Oden und Beatus Rhenanus seine Beschreibung widmet. Es ist die Stadt, in der nach Huttens Urteil die Menschen freier geartet und freier denkend sind als anderwärts; zu ihrem Wesen gehört, allezeit den Gelehrten die liebste Stadt zu sein; ein Ort der Frömmigkeit und der Musen, das „Goldene Basel“.

Für die Geschichte der Basler Wissenschaft aber ist von Belang, wie die ganze Gelehrtenwelt nunmehr auch dem öffentlichen Stadtwesen näher kommt. Allenthalben zeigt sich dieses stärkere Verflochtenwerden mit den Angelegenheiten des Gemeinwesens; auch dies gehört zu der von uns angedeuteten Entwickelung. Etwas Neues z. B. ist jetzt die Heranziehung eines Universitätslehrers zum Dienste der städtischen Kanzlei. Etwas Neues auch das wiederholte Erstatten von Gutachten an den Rat durch Gelehrte wie Erasmus Cantiuncula Amerbach Bär. Bedeutsam sodann die offizielle Anerkennung humanistischer Denkweise durch Proklamation des Munatius Plancus als Stadtheros; im Jahre 1528 läßt der Rat an die dem Markte zugewendete Giebelwand des ehemaligen Rathauses, dem jetzigen Rathause gegenüber, die Figur des Munatius malen über einer durch Rhenan verfaßten lateinischen Inschrift, in der Senat und Volk von Basel ihren Willen kund tun, das durch Schuld der Zeiten verwischte Andenken des Gründers von Augst und ersten Erhellers (illustratoris) unsrer Gegend feierlich zu erneuern.


Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 459. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/480&oldid=3403408 (Version vom 1.8.2018)