Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/484

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Hier ist der Punkt, an dem wir das Verhalten des Rates zur Reformsache im Ganzen zu überblicken suchen.

Wir haben das Wachsen der Ratsgewalt zur Macht auch über Kirchliches kennen gelernt: ein Wegdrängen von Rechten Funktionen und Privilegien der Kirchenbehörden sowie des Klerus, ein Hineinregieren in interne Kirchlichkeit. Eine weit zurückreichende Entwickelung und namentlich die letzten großen Zeiten hatten dazu geführt, daß der Rat seines Berufes und seiner Kraft auf neue Art inne wurde.

Da begann die reformatorische Bewegung. In ihr wurde eine eigenartige Initiative der Bürgerschaft rege; sie trug den revolutionären Geist der Epoche auch in die Gebiete von Glauben und Kirche. Sie rief aber auch einem Verhalten des Rates.

Als Sache Einzelner, dann als Sache einer Gruppe, aber stets als rein privates Erlebnis, entstand und wuchs das reformatorische Wesen. Wie der Aktion eine Reaktion antwortete, Parteien sich bildeten und wider einander stritten, haben wir gesehen. Eine in ihrer Wirkung nicht zu ermessende Kraft trat neu in das Leben des Einzelnen und der Gesamtheit. Aber dem städtischen Regimente bedeutete es vorerst nur eine Angelegenheit der Beteiligten. Der Rat tat nichts dafür und nichts dagegen. Er beobachtete und ließ geschehen.

Bis auch ihn die immer heftiger und unruhiger drängende Kraft des Neuen nötigte, sich nach ihren Wirkungen auf Ordnung und Friede der Stadt umzusehen. Als wichtiges Element des öffentlichen Zustandes erwies sich namentlich immer mehr das „zwiespältige Predigen“ mit seiner Beigabe von Schmähungen des Gegners. An diesem Punkte mußte der Rat eingreifen; er tat dies durch Aufstellung einer für alle Zukunft und für alle Prediger bestimmten Norm. Es entstand das große und grundlegende Dokument des Predigtmandates vom Sommer 1523, in dem als solche Norm „das heilige Evangelium und die Lehre Gottes“ bezeichnet wurde; die Prediger sollten nichts Anderes verkünden als die „bloße lautere Wahrheit der heiligen Schrift“. Die Formulierung war so einfach wie möglich. Im

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Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 463. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/484&oldid=3403412 (Version vom 1.8.2018)