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der Obrigkeit sei niemand Anderm zu danken als der neugläubigen Partei, gegen die man bis dahin neutral und tolerant habe sein wollen! Das war nicht allein den im Rate sitzenden Vertretern dieser Partei selbst gesagt, sondern nachdrücklicher noch der Mittelgruppe besonnener und ruhiger Altgläubiger. „Wir waren auf dem besten Wege“, riefen sie; „wir hätten die Arroganz und unerträgliche Bosheit der Priester zerdrücken und bändigen können.“ Dies Alles war jetzt gestört durch die lutherischen Revolutionsmänner in den Vorstädten und die von Predikanten aufgejagten und geführten Bauern. Wozu jetzt noch das Allerneueste kam, das anstößige Treiben einer aus demselben kirchenreformerischen Komplex erwachsenen Täufersekte. Und noch eine besondere Erwägung mochte mitwirken: als eine Kompensation für die vielen Eingriffe der Obrigkeit in Herrschaft Recht und Brauch der Kirche verlangte diese, daß der Rat nunmehr die Evangelischen seine Macht fühlen lasse.

Die Papisten hatten in der Tat einen „guten Rücken im Rat“ gewonnen, und während einiger Zeit konnte die städtische Kirchenpolitik durch eine den Evangelischen opponierende Gruppe geführt werden. Es war das, was Ökolampad schmerzlich als Härte und Treulosigkeit des Rates empfand.

Schon daß die am 22. April 1525 vom Rat angekündigte Disputation nicht stattfand, die, das Predigtmandat ergänzend, den Begriff der dem Worte Gottes gemäßen Lehre hätte feststellen sollen, war vielleicht ein Stück des neuen Verfahrens. Anderes folgte, in dem der Sinn der Behörde klarer sich äußerte.

So die Behandlung des vertriebenen Schaffhauser Predikanten Sebastian Hofmeister, dem der dortige Rat auferlegt hatte, sich wegen seiner reformatorischen Äußerungen vor den Gelehrten der Basler Universität zu verantworten und deren Sentenz dem Rate zu weiterer Verfügung zu übergeben. Der Basler Rat ließ es gar nicht zu einem solchen Examen kommen und verwies im August 1525 den Hofmeister aus Stadt und Land Basel, „damit er keinen bösen Samen aussäen könne“.

Auch der gleichfalls aus Schaffhausen vertriebene Predikant Sebastian Meyer, der nach Basel gekommen war, sollte hier weggewiesen werden.

Bonifaz Wolfhart, der Diakon Ökolampads zu St. Martin, war schon im Mai verbannt worden. Jetzt im August wurden die Pfarrer Frauenberger und Bertschi vor Rat gefordert und wegen Unterlassung des Meßopfers zur Rede gestellt; Bertschi vermochte sich durch ein Zeugnis des Konvents zu St. Leonhard zu rechtfertigen, Frauenberger dagegen mußte seine Pfarrei zu St. Alban aufgeben und die Stadt verlassen. Auch Jakob Imeli,

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Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 467. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/488&oldid=3403416 (Version vom 1.8.2018)