Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/489

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Pfarrer zu St. Ulrich, den der Domdekan im Dezember 1524 wegen seines Eheschlusses im Amte suspendiert und der Rat im Februar 1525 aufgefordert hatte, Messe zu lesen oder vom Amte zu gehen, wurde jetzt in der Tat abgesetzt und seine Stelle einem Papisten gegeben. Auch einzelne Landpfarrer, zu Kilchberg und zu Rümlingen, die Messe und Jahrtagsfeier unterließen, hatten sich deswegen vor Rat zu verantworten; für Beharren hiebei wurden sie mit dem Entzug ihrer Pfründen bedroht. Auch gegen Ökolampad taten die „Archonten und Pharaonen“ des Rates Schritte. Sein Büchlein vom Abendmahl wurde konfisziert, dann der Druck ökolampadischer Schriften überhaupt verboten; er mußte fürchten, gleich Frauenberger aus der Stadt gewiesen zu werden.

Ein Wille war mächtig, der sich nun auch der vor Kurzem eingerichteten Bücherzensur zu seinen Zwecken bediente. Wir sahen dies soeben im Falle Ökolampads. Und wie mit diesem Mittel das Publizieren zu beherrschen war, so auf andern Wegen das Reden; die kräftigen Mendikantenprediger Girfalk und Lüthart erhielten für „freiere Reden“ auf der Kanzel einen Verweis des Rates. Zu diesem Allem paßt, daß die alte Fastenordnung wieder zu Kräften kam; daß in der Fastenzeit 1526 die Metzger den Befehl erhielten, kein anderes Fleisch zu schlachten und feilzuhalten als Lammfleisch; daß Frevler wie Hans Einfaltig und der Goldschmied Jörg Schweiger, die anderes Fleisch „gefressen“, schwer gestraft wurden. Wenn daneben auch der im Mai entwichene Stefan Stör hier nicht vergessen wurde, so galt dieser Grimm zwar vor Allem dem Treiber der Bauernrebellion, aber auch dem kecken Verteidiger neuer Kirchenlehren. In Straßburg, wo Stör als Freund Capitos und Butzers lebte, wurde er auf Verlangen Basels in Haft gesetzt und gefoltert; erst im Juli 1526 erhielt er wieder die Freiheit.

Im Dezember 1525 wurde Waldshut durch Erzherzog Ferdinand eingenommen und der alte Kultus dort wiederhergestellt; kurz darauf erlebte Rheinfelden ein Gleiches, und aus den Äußerungen der Basler Chronisten tönt der Jubel, mit dem diese Nachrichten hier bei den Altgläubigen aufgenommen wurden. Er geht zusammen mit der gehobenen Stimmung der katholischen Partei überhaupt.

Wir sehen die Kirche die obrigkeitlichen Anordnungen begleitend auch ihrerseits mit Eifer handeln, das Verdorbene oder Verlorene wiederherzustellen suchen. Überall und mit den verschiedensten Mitteln.

Um dem Bistum Basel einen energischen Kämpfer als Herrn zu geben, plante sie die Erhebung des Doktor Johann Fabri an diese Stelle,

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 468. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/489&oldid=3403417 (Version vom 1.8.2018)