Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/493

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Partei, zugleich auch — die Beschränktheit und den Fanatismus vieler Vertreter dieser Partei in günstigster Weise ergänzend — von retardierendem Einfluß auf das Tempo der reformatorischen Bewegung.


Zu Ende des Jahres 1525 verfügten die Evangelischen nur noch über die zwei Pfarreien St. Martin und St. Leonhard, sowie über die Predikaturen der Augustiner, der Barfüßer und des Spitals.

Trotz dieser Verminderung äußerer Repräsentanz und Gewalt wuchs die neukirchliche Sache. Die große Zahl ihrer Anhänger gab den Gegnern zu denken. „Es war ein elendes Ding und Wesen mit der Luterei zu Basel, besonders in den Räten“, schrieben sie; „eine Ketzerei, die stark zunahm“. Aus dem Gesamten der Einwohnerschaft hatte sich diese Partei allmählich zusammengefunden, war sie langsam emporgekommen. Nicht durchweg in der Stille. Wir haben zu glauben an die unendlichen Erregungen, die den Verlauf begleiteten. Und nicht nur eine Mehrzahl einzelner Ereignisse haben wir zu sehen, sondern das Ganze Mächtige zu fühlen, all die Urgewalt von Werden und Entstehen auch im Erwachsen einer solchen Glaubenspartei, das überreich bewegte Schauspiel einer großen geistigen Umwandlung und Entwickelung. Da kamen, wenn den Gegnern zu glauben ist, Schwärme von fremdem Volke, Handwerksgesellen, weltlich gewordenen Klosterleuten und Priestern, die Alle des neuen Glaubens sein wollten und sich zu den jungen Kirchgemeinschaften drängten. Aus den Basler Klöstern selbst kam ein beständiger Zuzug. Wir vergegenwärtigen uns die Einzelheiten dieser mancherlei Lösungen aus bisherigen Verbänden und Gelübden; wir nehmen dabei auch Äußerliches Drastisches wahr, wenn diese gewesenen Kleriker ihre Platten verwachsen lassen, Bärte bekommen, weltliche Kleider und Degen antun, heiraten usw. Auch manchen fremdartigen unruhigen Flüchtling hatte die Partei bei sich unterzubringen, den Ludwig Hetzer z. B. mit all seiner umstürzlerischen Tatkraft, dann aus dem Kreise Farels den aufgeregten Peter Toussain, der an Ökolampad und den Baslern immer etwas zu tadeln fand, u. A. m. Ruhigeren Eindruck machen Gestalten wie Ottilie von Bergheim verwitwete von Utenheim und Ursula Truchseß. Gegenfiguren zu Erasmus und seinen Genossen waren die paar Gelehrten dieser Frühzeit der Partei — bei denen wir auch Ökolampad Wissenburg Pellican nennen dürfen —, nämlich Oswald Bär, Janus Cornarius, vielleicht Albanus Torinus, sowie die wichtige Gruppe der Buchdrucker. Das Entscheidende war doch die Menge guter angesessener Bürgerschaft, die ihre Vertrauensmänner schon im Rat und in der Kanzlei hatte,

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 472. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/493&oldid=3403422 (Version vom 1.8.2018)