Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/527

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und System, Volk und Oligarchie, Gemeinde und Obrigkeit. Nur wenige Einzelgestalten, deren Namen wert sind genannt zu werden, zucken rasch aus dem Getümmel auf, um rasch wieder im Allgemeinen zu versinken: der unbeugsame Meltinger mit dem Denken und den Ansprüchen einer erst vor Kurzem gewesenen und schon vergangenen Zeit; der sich klug akkomodierende Adelberg Meyer; der geschickte Wortführer in Rat und Volksversammlung und Ausschuß Hans Irmi; der stolze Andreas Bischoff, dem schon durch das bis jetzt Geschehene Ehrenamt und Heimat zum Ekel werden und der vor der Zeit davon geht; die resoluten Balthasar Hiltprant und Jörg Jeuchdenhammer.

Das Jahr 1529 begann mit der Arbeit einer aus Mitgliedern des Rates und der Gemeinde gebildeten Kommission, die einen Mittelweg suchen und Artikel einer Verständigung formulieren sollte. Dann wurden die Parteien aufgerufen. Die Evangelischen, selbstbewußt und nach hellstem Lichte verlangend, hatten ein Zusammenkommen beider Parteien auf einem Platz unter freiem Himmel, mit Erledigung des Streites durch Abstimmung der Versammelten, vorgeschlagen, die Gesandten aber von einer so gefährlichen Veranstaltung abgeraten. Als Versammlungsorte wurden daher die Kirchen zu Predigern für die Päpstler, zu Barfüßern für die Evangelischen bestimmt. Es gab wieder unruhige Tage und Nächte. Weil jede der Parteien die ersten Vorschläge der Vermittlungskommission ablehnte, hatten Räte und Gesandte nach einer neuen Fassung zu suchen. In der Erregung all dieses Debattierens Zuredens Konzedierens und Widersprechens tritt uns die „Sorglichkeit“ des Momentes, von der die ungeduldig nach Hause verlangenden Gesandten reden, deutlich entgegen. Deutlich auch die Fülle bewegtesten Lebens, das zwischen dem Ratssaale und den beiden Kirchen, zwischen den Mittlern und den zum Höchsten gereizten Parteihaufen sich hin und her bewegte. Zu Barfüßern waren einige Tausend streitbarer Burger versammelt, zu Predigern nur einige Hundert; die Boten der Länder waren bei solcher Lage der Dinge sichtlich entmutigt und hielten sich zurück, während die Gesandten von Bern Zürich Straßburg das große Wort führten. In derselben Stimmung kam nun auch die katholische Partei selbst dazu, ihre Sache dem Entscheide des Rates anheimzugeben. Am 3. Januar 1529 wurde hier in der Vermittlungskommission eine neue Ordnung redigiert und sodann den Parteien vorgelegt. Auf Seite der Katholischen erhob nur Einer noch lauten Widerspruch, Jacob Meyer zum Hasen, der einst der mächtige Führer des alten Basel gewesen war. Stärkere Opposition bereiteten die Evangelischen. „Das wird nit geschehen“, „wir wend d'meß nit liden“,

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 506. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/527&oldid=3403459 (Version vom 1.8.2018)