Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/57

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Wir brauchen nur Weniges zu nennen. Der Kriegsgeist, der den Alten keine Ruhe läßt, ergreift auch die Kinder, sodaß sie sich Parteien und gegeneinander mit Fähnlein zum Straßenkampfe ziehen. Gengenbach aber in seinen Dramen vom Wälschen Fluß und vom Alten Eidgenoß, unter großartiger Reduzierung der Welthändel und Weltpotenzen in Formen der Alltäglichkeit, zeigt das frivole Spiel der Mächte; er stellt ihnen und ihrem Werben die Gestalt des alten biedern Eidgenossen gegenüber; er warnt vor dem falschen Schrei des gallischen Hahns. Als Dichter verkündet so Gengenbach dieselbe nationaldeutsche Gesinnung, zu der sich auf ihre Weise auch die Humanisten bekennen; für sie ist Basel ohne weiteres eine deutsche Stadt. Diese Gesinnung geht Hand in Hand mit dem offiziellen Verhalten. Daß daneben im Kreise von Handwerksgesellen Künstlern usw. Widerwille gegen Überrheiner laut wird, befremdet uns nicht. Es sind kleine Zänkereien des Moments, bei denen Lupolt Rumpolt ein „Saubayer“, Ambrosius Holbein und Andere „unmächtige Schwaben“ gescholten werden. Altes grenznachbarliches Übelwollen lebt, in das nun noch die wilden Geister, die der Krieg entfesselt, gefahren sind. Lokales Ruhmgefühl auch läßt den Gegensatz des Schweizerkriegers zum Landsknecht immer bewußter werden. Aber nirgends hiebei ist die Rede von anderer, von nationaler Parteiung. Der Basler, der auf den Schwaben schimpft, ist deswegen durchaus nicht ein Freund Frankreichs.

In dieses Gewoge von Stimmungen bringt Marignano ein jähes Erschrecken; es kann auch zu Gedanken neuer politischer Orientierung führen. Es ist der Moment, in dem Frankreich mächtiger dasteht als alle andern und die von ihm gedemütigten Schweizer zu Freunden haben will. Zugleich tönen über den Rhein her Schadenfreude und Haß. Alte Schmähworte werden dort wieder geläufig; die Freiburger Studenten singen ein Spottlied auf die Toten von Marignano; Ähnliches geschieht in Straßburg, in Hagenau. Und wir übersehen nicht, wie Solches hier in Basel verletzt, wie Manchen dieses häßliche Gebahren von Deutschen an die Seite Frankreichs treibt. Tumultuatur patria, ruft Glarean. Auch in Basel wankt da und dort die Gesinnung. Noch zeigt Gengenbach, im Spiele vom Nollhart, offen seine Erbitterung gegen Frankreich; der Büchsenmeister Bernhard schilt den Hans Erhart Reinhart wegen seiner Parteinahme für König Franz einen Verräter und Bösewicht. An Umtrieben zu Gunsten Frankreichs beteiligt, im Zürcher Bächlihandel, ist auch „Junker Wolf von Basel, hat ein hübsch gelw har, und zween mit im“. Jerg Trübelman, der Held von Novara, streitet 1516 auf Seite der Franzosen usw. All das ist nur zufällig Vernehmbares. Aber

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Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 36. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/57&oldid=3403482 (Version vom 1.8.2018)