Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/93

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

bestand. Das Schloß lag am Nordhange des Blauenberges, das Dorf weiter vorn im Tale, beide im Quellgebiete der hier westwärts strömenden Ill.

Die von Wessenberg, deren Stammhaus bei Mandach im Argau stand, begegnen uns das ganze fünfzehnte Jahrhundert hindurch im Verkehre mit Basel und den oberrheinischen Geschlechtern. Egli von Wessenberg war einer der Edeln, die 1499 aus Basel wegzogen; seine Gemahlin Elisabeth Offenburg, Schwester des spätern Bürgermeisters Peter, war Witwe von Friedrich Kilchman; sie heiratete nach Wessenbergs Tode den Bürgermeister Wilhelm Zeigler. Diese Beziehungen scheinen auch den Vetter Eglis, Humbrecht von Wessenberg, den Basler Ratsgewaltigen nahe gebracht zu haben.

Am 15. Dezember 1520 verkaufte er dem Rate das vom Basler Bischof zu Lehen gehende Schloß Biedertal und das von Österreich zu Lehen gehende Dorf Liebenzweiler samt Gütern und Rechten zu Metzerlen Witterswil Äsch usw., unter Vorbehalt des durch Basel beizubringenden Consenses der beiden Lehnsherren.

Der eine dieser Herren, der Bischof von Basel, stand gerade damals im Streite mit der Stadt über Pfäffingen. Seine Einwilligung erschien daher als zweifelhaft, und damit nicht ein Andrer den Baslern zuvorkomme, beschloß der Rat, sich der Burg zu versichern. Wie er vor Jahresfrist bei Ramstein, vor wenigen Monaten bei Pfäffingen getan, griff er auch hier zu. Sofort nach Abschluß des Vertrages schickte er eine erlesene Mannschaft gegen Biedertal. Früh am Sonntag 16. Dezember nach Mitternacht nahmen sie das Schloß ein. Es erhielt eine Besatzung. Zugleich legte Basel die Hand auch auf Liebenzweiler und ließ sich hier die Dorfleute schwören. Wessenberg war ahnungslos in Basel und gönnte sich mit dem Gelde des Verkaufes gute Zeit in der Krone. Von dem Handstreich erfuhr er erst, als Alles vorüber war. Aber weder seine Sundgauer Standesgenossen noch der Bischof glaubten an sein Nichtwissen.

Basel verhandelte mit dem Bischof und mit Österreich. Der Herr dieses Erzhauses, Kaiser Karl, war aber am Wormser Reichstage zu suchen, und dorthin sandte der Rat im Januar 1521 den Hans Oberriet; er sollte Freiung Liebenzweilers und Einwilligung zum Verkauf erwirken, ebenso Sicherung Wessenbergs gegenüber dem österreichischen Regiment. Diese Ensisheimer Herren aber, an ihrer Spitze Hans Imer von Gilgenberg, sind Basels Gegner, sind „die Mißgönner, die uns s. Z. geursacht haben, Eidgenossen zu werden, was uns nie gereut hat, und jetzt auch den Kaiser gegen uns aufbringen“. Sie hetzen im Kabinet und bei der Kanzlei.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 72. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/93&oldid=3403530 (Version vom 1.8.2018)