Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/98

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sich solche Aspirationen auch jenes Gebietes. Sie werden geweckt durch das Vorgehen andrer eidgenössischer Orte und heften sich an die Erscheinung des Grafen Wilhelm von Fürstenberg.

Eine neue Figur tritt mit Diesem in die Basler Welt ein. Sein Vater Wolfgang war 1502 Landvogt der vorderösterreichischen Gebiete geworden, sein Oheim Heinrich 1499 bei Dornach als kaiserlicher Feldhauptmann gefallen. Auch die Verwandtschaft mit Graf Heinrich von Tierstein, dessen Gemahlin eine Base der Gemahlin Wilhelms war, brachte ihm Beziehungen zum Oberrhein; ebenso sein Studium in Freiburg. Die Gelder zur Aussteuer seiner Schwester Margaretha, die sich 1505 mit dem Freiherrn Hans Jacob von Mörsberg vermählte, wurden bei Basler Kapitalisten ausgenommen; für ihn arbeiteten Basler Goldschmiede usf. Dann haben auch die Basler Politiker sich mit diesem Herrn abzugeben, dessen Wesen sogar in jener doch an Vieles gewöhnten Zeit Aufsehen erregt. Sie vergleicht ihn, den ungewöhnlich schönen und imposanten Mann, mit Mars; seine Kriegstaten, seine Verschwendung, sein toller Übermut und seine Unverträglichkeit machen ihn so berüchtigt wie berühmt.

Fünfzehnjährig mit Bona, der Erbtochter von Neuchâtel, verheiratet, die nach neun Jahren 1515 starb, besaß Graf Wilhelm aus dieser Ehe Ansprüche an Schlösser und Herrschaften im Burgundischen: die an Mächtigkeit miteinander wetteifernden Héricourt und Blamont, ferner Granges Clerval l'Isle Pont de Roide usw. Aber auch Herzog Ulrich von Württemberg war erbberechtigt, durch seine Urgroßmutter Henriette von Mümpelgart. Wir haben hier den Streit der Beiden nicht zu schildern, der aus der Erbschaftssache erwuchs. Auch nicht das Eingreifen der Eidgenossen. Aber wichtig ist, zu beobachten, wie Basel in diese burgundischen Angelegenheiten hineingerät.

Es sah im September 1517 Solothurn ein Burgrecht mit Stadt und Herrschaft Mümpelgart schließen und den württembergischen Landvogt daselbst zum Bürger annehmen. Basel durfte sich fragen, warum nicht auch ihm zukomme, engere Beziehungen zu jenen Gebieten zu schaffen. Auch seine Gedanken und Wünsche waren durch mancherlei Interessen dorthin gelenkt. So geschah, daß kurz nach dem Abschlusse des Mümpelgarter Burgrechtes von Solothurn die Stadt Basel ein Ähnliches tat; und natürlich griff sie dabei auf den Gegner des mit Solothurn verbundenen Ulrich, den Fürstenberger.

Am 20. Mai 1518 nahm Basel den Grafen Wilhelm von Fürstenberg zum Bürger an samt allen seinen Herrschaften diesseits des Rheines in und bei Burgund, mit dem Versprechen, ihn zu schützen und bei Bedrohung

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Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 77. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/98&oldid=3403535 (Version vom 1.8.2018)