Seite:Wider das Schulelend.pdf/39

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Und doch wird ein jeder unter uns, der oder die Kinder in der Mittelschule gehabt hat oder noch hat, mit mir sagen, daß die schwersten Schädigungen, geistige wie körperliche, an unseren Lieblingen, an den Trägern der Zukunft Deutschlands, in der Mittelschule geschehen. Hier ist es, wo unsere blühenden, rotwangigen Kinder welk und blaß werden, wo ihre sprühende Lebenslust sich in bleiche Teilnahmlosigkeit verwandelt, wo ungezählte glückliche Begabungen durch den Zwang unangemessener und widerwärtiger Beschäftigung gebrochen und dem geistigen Kapital des Volkes entzogen werden. Ich habe die Lebensschicksale einer großen Anzahl solcher Männer durchgesehen, aus denen hernach die geistigen Führer der Menschheit geworden sind. So gut wie alle haben sich in einem mehr oder weniger heftigen Konflikt mit der humanistischen Mittelschule befunden, die sie entweder vorzeitig verlassen haben, oder von der sie als durchaus minderwertig gebrandmarkt worden sind[VL 1]. Gebrandmarkt ist hierdurch natürlich nichts als das System, welches zu so unglaublichen Ergebnissen führt, dazu, daß man fast mit mathematischer Sicherheit sagen kann: aus einem Schulmusterknaben wird hernach sicherlich nichts Besonderes.

Fragen wir, ob die vorhin angestellten Überlegungen uns grundsätzliche Auskunft über diesen großen Mißerfolg geben können, so ist die Antwort hierauf bejahend. Inhalt und Methode des Unterrichtes

Anmerkungen der Vorlage

  1. Die Nachweise hierfür finden sich in dem vorher erwähnten Buche „Große Männer“.
Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Ostwald: Wider das Schulelend. Akademische Verlagsgesellschaft m.b.H., Leipzig 1909, Seite 33. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wider_das_Schulelend.pdf/39&oldid=- (Version vom 1.8.2018)