Ziemlich lange erzählte ich Ihnen nichts aus unsrer freundlichen Elbstadt, und ich eile nun, das Versäumte nachzuholen. Daß sich Dresden von Jahr zu Jahr verschönert, ist unläugbar; die vielen heitern Anlagen und neuen Häuser und Gärten vor der Neustadt machen von dieser Seite her die Residenz für Jeden, der sie einige Jahre nicht sah, fast ganz unkenntlich, und geben ihr ein weit anmuthigeres Ansehen, als sie ehemals hatte. Das neue Wachhaus und das neue Zollgebäude, welche jetzt einander gegenüber auf dem Platze des Japanischen Palais im edelsten römischen Styl erbaut werden, nehmen sich trefflich aus, und wenn dieser Bau vollendet seyn, und der schöne große Platz von allen übrigen kleinen Baraken befreyt seyn wird, so kann er gewiß mit den herrlichsten Plätzen, selbst weit größerer Städte, wetteifern. Eine sehr wohlthuende Einrichtung wurde jetzt getroffen, indem neben dem Haupteingang der Stadt von der Brücke aus durch das Schloßthor noch zwey Nebengänge dicht dabey für die Fußgänger eingerichtet wurden, man legte Trottoirs von ihnen aus bis zur Brücke, und baute einen Quai mit eisernem Geländer von der Brücke rechts herab; nicht allein verschönert dieß den Schloßplatz, sondern es verhütet auch manches mögliche Unglück, und verdient daher sehr dankbar erkannt zu werden. So ist es auch recht interessant, die Säle im Palais des großen Gartens, welche dem Verein der Flora durch königliche Huld eingeräumt wurden, jetzt erneuern und einrichten zu sehen; da diese Säle mit aller Pracht des vorigen Jahrhunderts gebaut, und phantastisch, üppig reich ausgeschmückt und mit Stuckaturornamenten sowohl als Frescogemälden verziert sind, so bilden sie nun, frisch erneuert, einen wahrhaft imposanten Anblick, der besonders durch die herrliche Aussicht auf beyden Seiten eben so reizend als großartig erscheint. Der kleinere, zu den Sitzungen bestimmte Saal ist vollendet, an dem großen aber wird noch eifrig gearbeitet. Solche Denkmähler des Geschmackes voriger Zeit haben, besonders in Hinsicht auf Culturgeschichte, etwas höchst Interessantes für jeden Denker.
Die dießjährige Kunstausstellung ist mit keiner Industrieausstellung verbunden, dieß ist für den ästhetischen Sinn unstreitig angenehmer, denn obschon Gewerbfleiß und Kunstgenius gewiß gleich ehrwürdig sind, so gehen sie doch ungern Hand in Hand. Indeß vermindert es die Zahl der Besuchenden, da zumal die meisten Einheimischen alles, was Industrie und Gewerbe betrifft, mit weit wärmerer Theilnahme betrachten. Hingegen ist es bey der armen Kunst zum allgemeinen Ton geworden, ihre Werke nur als Zielscheiben
Unbekannt: Correspondenz-Nachrichten, Dresden, Anfang September 1828. Anton Strauß’s sel. Witwe, Wien 1828, Seite 994. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wiener_Zeitschrift_f%C3%BCr_Kunst_usw._1828_Correspondenz_aus_Dresden.djvu/1&oldid=- (Version vom 26.6.2025)