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Seite:Wiener Zeitschrift für Kunst usw. 1828 Correspondenz aus Dresden.djvu/5

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frierend zusammen schmiegt, Alles ist vortrefflich an diesem allgemein ansprechenden Bildchen. Zwey kleine Bilder von dem jungen, jetzt in Italien studierenden Hennig sind gleichfalls höchst anziehend: das eine bildet zufällig ein wahres südliches Gegenstück zu jenen durch den Schnee uns zulächelnden deutschen Mädchen, denn hier sehen wir italienische Landleute tanzend, scherzend und trinkend die Landstraße hinziehen, und auf dem andern eine Frau aus den Lateiner Gebirgen, welche ihr jüngstes Kind im wohlverhüllten Korb auf dem Kopf trägt, während der ältere Knabe, sich vor einem Hund fürchtend, ängstlich der Mutter Knie umklammert; Leben und Wahrheit sind in diesen beyden kleinen Gemälden. Äußerst ansprechend ist auch das Bildchen von Simon Wagner, wo ein alter Invalide vor der Hütte sitzt und seinen kleinen Enkel mit der Krücke exerciren läßt. Von einem jungen Künstler Joh. Gruß aus Böhmen sind zwey Gemälde hier, die durch Gefühl und Kraft sich auszeichnen: eine Madonna mit dem schlafenden Jesuskinde, um welches her der kleine Johannes und zwey liebliche Engel bethend knien, und eine Madonna, welche mit dem Jesusknaben über eine weiße Lilie spricht, die er ihr darreichte. Die Werke des sinnigen und braven Dilettanten, Hrn. Professor Carus sind, wie immer, anziehend und poetisch, besonders bemerke ich darunter die schroffe Alpenspitze, welche ein Gemsjäger am frühsten Morgen erklimmt, wo die klare Mondsichel und der helle Morgenstern noch am wolkenlosen Himmel glänzen, eben verschwimmend in das Licht des Tages, und den Wintermorgen auf den Oybin. Welch’ eine reiche Sammlung köstlicher Skizzen wird dieser vielverdiente Mann jetzt von seiner Reise nach Italien, wohin er unsern geliebten Prinz Friedrich begleitete, mitgebracht haben!

Der eben aus Rom zurückgekehrte Ernst Stölzel zierte die Ausstellung durch eine unvergleichliche Handzeichnung mit Bleystift in höchster Zartheit ausgeführt nach Raphaels himmlisch schönem Gemälde, welches die Apostel darstellt, wie sie um den leeren Sarg der Madonna stehen, aus dem Blumen empor sprießen. Sie blicken fromm begeistert hinauf, wo über den Wolken die heilige Jungfrau, von Engeln umgeben, gekrönt wird. Dieß wundersam schöne Bild, welches sich jetzt im Vatican befindet, wurde von Raphael noch unter Perugino’s Leitung gemalt; unser fleißiger junger Landsmann hat die ganze Eigenthümlichkeit trefflich aufgefaßt und alle Charaktere mit bewunderungswürdiger Treue wiedergegeben; er ist jetzt damit beschäftigt, dieß schöne Blatt in Kupfer zu stechen. Eine andere Bleystiftzeichnung von ihm stellt die Marter des heil. Stephan, nach Fra Angelico da Fiesole vor. Noch ein paar Zeichnungen von Schülern des Professors Vogel, Cartons zu größern Gemälden, sind recht brav. So verdienen auch viele der Porträts nach der Natur von den jungen hier studierenden Künstlern wahre Achtung, denn sie sind mit Fleiß, Kraft und Wahrheit ausgeführt. Die academischen Studienblätter sind recht interessant für Jeden, der mit Theilnahme es betrachtet, welchen sichern und richtigen Weg die Kunstjünger hier geleitet werden. Zimmermann aus Rom schickte zwey sonderbare Gemälde her: einen Christus, der das Kreuz trägt, und eine Flucht aus Ägypten; er scheint sich ganz der alt-byzantinischen Schule anzuschließen. In diesem Style haben diese beyden Werke etwas wahrhaft Ergreifendes, aber solchen Styl jetzt einführen und befolgen zu wollen, wäre ein mißlicher Rückschritt.

Die Porzellanmalereyen sind keineswegs vorzüglich oder ansprechend. Durch das Streben, zu hohe Meisterwerke aus diesem zerbrechlichen Stoff ausführen zu wollen, die doch mißlingen, sinkt das Ganze mehr, als es gewinnt.

(Der Schluß folgt.)
Empfohlene Zitierweise:
Unbekannt: Correspondenz-Nachrichten, Dresden, Anfang September 1828. Anton Strauß’s sel. Witwe, Wien 1828, Seite 1004. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wiener_Zeitschrift_f%C3%BCr_Kunst_usw._1828_Correspondenz_aus_Dresden.djvu/5&oldid=- (Version vom 5.7.2025)