Seite:Wilhelm Bode Der Naturschutzpark in der Lüneburger Heide (aus Richters Reiseführer).pdf/3

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des Vereins ist die Aufsicht durch die nötigen Angestellten noch leichter zu beschaffen. Überdies bleibt eine Reihe Dorfschaften, z. B. Undeloh, Alsen, Wesel, in und am Vereinsrevier völlig selbständig bestehen. Nur eine Abrundung ihres Ackerbesitzes soll in der Weise erstrebt werden, daß die abgelegenen Grundstücke, namentlich die ertraglosen Heidflächen, gegen den guten Ackerboden am Dorfe ausgetauscht werden und so die Abrundung und Ertragsfähigkeit der Höfe erhöht wird. Auch auf seinem eigenen Gebiete läßt der Verein Einzelhöfe und Ortschaften bestehen, und niemand denkt daran, z. B. den einstelligen Hof Bockheber[WS 1] oder das idyllische Niederhaverbeck eingehen zu lassen. Im Gegenteil! Sie sollen erhalten bleiben in jener traulichen Form, die sie etwa zur Zeit des großen Napoleon hatten, ohne Pappdächer, ohne Stacheldraht, ohne die abstoßende Plumpheit, welche den modernen Bauernhöfen alle Bodenständigkeit raubt. Unter weitschattenden Eichen soll das strohgedeckte Fachwerkhaus sich lagern, umfriedet von Steinmauer und Ekenboltentun[WS 2]. Im Windschatten der Birken liegt auf der Heidhöhe der langgestreckte Schafkaben[WS 3]. Vom Buchweizenfelde grüßt der niedrige Bienenzaun mit den strohgeflochtenen Körben, und wo bislang mißvergnügte Besitzer ein kärgliches Auskommen hatten, soll ein Geschlecht gutgestellter Pächter eine glückliche Heimat finden. Der Föhrenanflug, welcher die Lüneburger Heide nur allzu bald in den Lüneburger Wald verwandelt hätte, wird beseitigt. Der scharfe Zahn der Heidschnucken, welche auf all unsern Höfen gehalten werden, bewahrt die Heide vor dem Ausstocken, und all die guten Geister der Schönheit, von denen die Dichter der Vergangenheit zu singen und zu sagen wußten, treiben wieder ihr Wesen auf dem Gefilde, das als ein Meisterwerk aus unsers Gottes Schöpferhand hervorging und durch menschlichen Eigennutz und Unnatur an den Rand des Verderbens gebracht ward.

Und wenn dann ein Teil, meinetwegen alles, was nördlich vom Wege Undeloh–Meningen liegt, ausgesondert wird, um zu zeigen, was im Laufe von Jahrhunderten aus der völlig sich selbst überlassenen Natur wird, so kommt auch die Wissenschaft zu ihrem Rechte, und friedlich werden der fröhliche Wanderer und der strenge Naturforscher einander die Hand reichen in dem großen Tempel der Natur, dem Wilseder Naturschutzpark.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Bockheben
  2. Zaun aus gekreuzten Eichenbohlen
  3. Schafstall
Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Bode: Der Naturschutzpark in der Lüneburger Heide. In: Die Lüneburger Heide : von der Elbe bis zur Leine. (= Richters Reiseführer). Richters Reiseführer-Verlag, 3. Auflage, Berlin 1914, Seite 126. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wilhelm_Bode_Der_Naturschutzpark_in_der_L%C3%BCneburger_Heide_(aus_Richters_Reisef%C3%BChrer).pdf/3&oldid=- (Version vom 1.10.2017)