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eine Begehungssünde, – es ist ein und derselbe ewige Gesetzgeber, welcher an beiden Greuel hat, welcher durch beide beleidigt wird! (Ps. 51, 6.)

 Darum richte deine Selbstprüfung, lieber Leser, nach dem Sinne dessen ein, der einst dein Richter sein wird, damit du Ihm nicht ins Gericht fallest; denn so wir uns selbst nach Seinem Sinne und Gesetze richten, so werden wir nicht gerichtet (1. Kor. 11, 31.). Frage dich also nicht allein: „Was habe ich gethan?“, sondern auch: „Was habe ich nicht gethan? Was habe ich unterlassen?“ Frage dich nicht bloß: „Habe ich meinen Feind gehasset?“, sondern auch: „Habe ich ihn geliebet?“, nicht bloß: „Habe ich andre Götter angebetet?“, sondern auch: „Habe ich den alleinigen Gott über alle Dinge gefürchtet, geliebt und Ihm vertraut?“ etc. etc. So wird dir in viel tausend Beweisen offenbar werden nicht allein dein Hang und Drang zu allem Bösen, sondern auch deine Lahmheit und Mattigkeit zu allem Guten, und du wirst die Wahrheit erkennen, daß deine Sünden wie der Sand am Meere sind – nämlich ohne Zahl; und wirst beten lernen: „So du willt, HErr, Sünde zurechnen, HErr, wer wird bestehen!“ Ps. 130, 3.


5.
Die meisten mögen sich nicht prüfen, leben sicher dahin.

 Obwohl diese Anleitung in aller ihrer Kürze zur Erkenntnis der Sünde für ein nach Licht und Wahrheit hungerndes und dürstendes Herz genugsam

Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Löhe: Einfältiger Beichtunterricht für Christen evangelisch-lutherischen Bekenntnisses. Kommissionsverlag der Buchhandlung der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1900, Seite 11. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wilhelm_L%C3%B6he_-_Beichtunterricht_(4._Auflage).pdf/13&oldid=- (Version vom 17.7.2016)