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macht, sondern noch insbesondere das, wie wir später (20–22) erkennen werden, dem Hirten obliegende Amt, an Gottes Statt die Absolution zu erteilen. Es ist ja nicht ein jeder zu absolvieren, der Absolution begehrt, sonst wird, wie es auch jetziger Zeit am Tage ist, die Absolution zu Spott, vielmehr hat der Hirte auch das eben so heilige Amt, Sünden zu behalten und Sünden zu binden. Auf Bedingung hin zu lösen und zu binden macht die Seelen nur ungewiß, und eine bedingte Absolution bringt ein angefochtenes Herz nicht zum Frieden. Eine Absolution aber ohne Bedingung, nach der vollen Gnade des Evangeliums und der Natur desselben, setzt voraus, daß man das Gemüt des Absolvenden als bußfertig und nach der von Gott verordneten, vor Gott geltenden, gewissen Absolution verlangend erkenne[1]. Solche Erkenntnis gewannen die heiligen Apostel durch die wunderbare Gabe, die Geister zu unterscheiden; nun aber diese Wundergabe weggenommen ist, wie soll der Diener des HErrn zu jener Erkenntnis der Gemüter kommen, wenn sie sich ihm nicht beichtend offenbaren? – Wer es erfahren hat, der weiß es, welch ein Unterschied zwischen einer leichtfertigen Absolution ist und zwischen dem tiefen Troste und Frieden, welcher von dem Munde des Dieners in ein reumütiges und aufrichtiges Herz fällt! (Lies 2. Sam. 12, bes. v. 13.  4. Mos. 5, 7.  Matth. 3, 6.  Gesch. 19, 18 etc.)



  1. S. Nr. 17 ff.
Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Löhe: Einfältiger Beichtunterricht für Christen evangelisch-lutherischen Bekenntnisses. Kommissionsverlag der Buchhandlung der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1900, Seite 36. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wilhelm_L%C3%B6he_-_Beichtunterricht_(4._Auflage).pdf/38&oldid=- (Version vom 17.7.2016)