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In der Beichte hingegen hat man die Einzelnen vor sich und kann einen jeden über Gesetz und Evangelium nach seiner Notdurft unterrichten. Es versteht auch ein Mensch leichter und behält besser, was man ihm alleine bei solcher geheiligten Gelegenheit sagt, als was er öffentlich predigen hört. Mag es immerhin Leute geben, welche um dieses Nutzens willen der Beichte nicht bedürften, weil sie alles genugsam wissen; so werden ihrer doch nicht gar viele, und der Haufe der Unwissenden wird um vieles größer sein. Denn der gemeine Mann versteht wenig, und was göttliche Dinge anlangt, so verstehen heutzutage die Vornehmen, die sich mit weltlicher Bildung und Aufklärung aufgeblasen haben, meistens noch weniger, und hätten wohl not, wenn sie nicht zu stolz dazu wären, zu werden wie die Kinder, und als Unmündige in die Schule zu gehen, damit ihnen offenbaret würde, was den Weisen und Klugen verborgen bleibt Matth. 11, 25. Zu dem ist es auch etwas ganz anderes, ein Ding wissen, und so wissen, daß es einem zum Heile diene. Ein solches Wissen aber soll in der Beichte gewährt werden.


Luther über diesen Vorteil der Privatbeichte.

 Von diesem Nutzen der Beichte hält Luther große Stücke und sagt darüber 1533 in der Warnungsschrift an die zu Frankfurt a. M.: „Solch Beichten nicht allein darum geschieht, daß sie Sünde

Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Löhe: Einfältiger Beichtunterricht für Christen evangelisch-lutherischen Bekenntnisses. Kommissionsverlag der Buchhandlung der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1900, Seite 40. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wilhelm_L%C3%B6he_-_Beichtunterricht_(4._Auflage).pdf/42&oldid=- (Version vom 17.7.2016)