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 Erst durch das Bekenntnis kommt man zur hellen Klarheit, zum sichern Bewußtsein seines verderbten Zustandes und ist damit mächtiger getrieben, desselben los zu werden. Bekenntnis treibt vorwärts auf dem Wege zur Seligkeit und verschließt den Rückweg zur alten stolzen Verhärtung!


 Vor dem Bekenntnis ist die Reue ein Brand, der nicht Luft hat, nur raucht, dampft, finster macht und ängstet; im Bekenntnis bricht sie heraus zur hellen, lichten Flamme, wird recht lauter, eine Freude der h. Kirche (2. Kor. 7, 9.) und der Engel (Luk. 15, 7).


 Helles Bekenntnis ist schon ein Anfang des Gebetes um Vergebung der Sünden und ein Anfang der Erhörung, d. i. des Friedens. Es ist eine Sache der Erfahrung, daß man nach dem Bekenntnis ruhiger ist, als zuvor, wenn man gleich noch nicht die volle Ruhe der Vergebung der Sünde hat.


 Wer bekannt hat, hat einen Mitwisser seiner Sünden und Anfechtungen, dessen Andenken bei künftigen Sünden eine Warnung und ein Zuchtmittel, – dessen Erscheinung seinem alten Menschen ein Stich in’s Herz, seinem sinkenden Glauben, seiner kämpfenden, neuen Kreatur, eine Stärkung sein wird. Wenn aber die bloße Erscheinung das ist, wie erst das Wort und die Ermahnung des Erscheinenden.


Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Löhe: Einfältiger Beichtunterricht für Christen evangelisch-lutherischen Bekenntnisses. Kommissionsverlag der Buchhandlung der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1900, Seite 43. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wilhelm_L%C3%B6he_-_Beichtunterricht_(4._Auflage).pdf/45&oldid=- (Version vom 17.7.2016)