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worden ist. Niemals hätte Menschen diese Gottes Stelle auf Erden vertretende Gewalt übertragen werden können, wenn nicht der Sohn Gottes die Menschheit an sich genommen und also zu Ehren gebracht hätte. Niemals hätte den Menschen eine so herrliche Gnadengabe anvertraut werden dürfen, wenn nicht der große Erlöser sie durch Sein Leiden und Sterben erworben hätte, wenn sie ihm nicht, wie alle Gewalt im Himmel und auf Erden in Seine Hände wäre gelegt worden, wenn nicht Er hinwiederum sie, nachdem Er sie sauer verdient hatte, zum Troste und Heile der erlösten, teuer erkauften Kirche Seinen Dienern aus eitel Gnade und Barmherzigkeit vertraut hätte. Wahrlich, sie ist teuer erkauft, ein Kleinod, ein Schatz, welchen der HErr einst mit Wucher aus den Händen Seiner Diener wieder empfangen will! O laß uns beten, lieber Leser, daß kein Seelsorger leichtsinnig umgehe mit des HErrn Schlüsseln, – daß keiner aufschließe, da er zuschließen sollte, und keiner zuschließen, wo er aufschließen sollte! Daß der HErr barmherzige Hirten gebe, daß Er gewaltige Hirten gebe, welche durch Seinen Geist vermögend seien, aufzuthun und zuzuschließen nach Seinem h. Wohlgefallen! Laß uns aber auch beten, daß das Amt der Hirten und


    machen die Sehenden blind und verkehren die Sachen der Gerechten.“ – Das Beichtgeld der Reichen überbietet das der Armen, wird zum Geschenk und macht oft den Geistlichen untüchtig, in der Seelsorge der Reicheren treu zu sein.

Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Löhe: Einfältiger Beichtunterricht für Christen evangelisch-lutherischen Bekenntnisses. Kommissionsverlag der Buchhandlung der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1900, Seite 67. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wilhelm_L%C3%B6he_-_Beichtunterricht_(4._Auflage).pdf/69&oldid=- (Version vom 17.7.2016)