Seite:Wilhelm Löhe - Lebenslauf einer heiligen Magd Gottes aus dem Pfarrstande 2 Aufl.pdf/21

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 Sie rief laut und mit dem ihr eigenen freundlichen, edlen Ernst: „Ich glaube an den heiligen Geist, Eine heilige, christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben! Amen.“ –

 Immer stiller wurde sie; doch erkannte sie meine Stimme bis an’s Ende, redete auch selbst noch oft mit mir im Delirium, forderte mich zu diesem und jenem auf, „den Christbaum, da ja Weihnachten sei, anzuzünden“ etc. Endlich wurde sie ganz stille und schlief, wie es schien, einen natürlichen Schlaf mit geschloßenen Augen. Die Drüsengeschwulst, welche wir Tag und Nacht zu erweichen bemüht waren, schien aufzugehen. Man überließ sich der Hoffnung, da eben der Tod an der Thüre pochte. –

 Von vielem Wachen, leiblicher und geistiger Anstrengung über die Maßen müde worden, schlief ich auf dem Sopha ein, und die Wärterinnen thaten nicht, wie ich ihnen geboten hatte, sie weckten mich nicht. Als ich erwachte, war es hell, und mich überfiel ein Schrecken, als ich bemerkte, daß das arge Fieber wieder durch den kranken Leib hinjagte. Ich hatte gehofft, – denn es war Freitag, – Betstunde halten und dem HErrn danken zu dürfen, nachdem ich die ganze Woche außer sacramentlichen Handlungen nichts Amtliches vorgenommen hatte. Wie war meine Freude zu nichte! – Am Vormittag ruhte das Fieber einige Augenblicke. Zweimal sah sie mir mit aller Freundlichkeit ihres lieben Angesichtes in die Augen. Darauf sagte sie bittend: „Ach halt mich!“ „Ach Mutter! Ach Wilhelm!“ dann