Seite:Wilhelm Löhe - Lebenslauf einer heiligen Magd Gottes aus dem Pfarrstande 2 Aufl.pdf/33

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 3. Ihr Leben in der jungfräulichen Zeit war nicht geeignet, sie für den Haushalt auszubilden, am wenigsten aber für den eines Landpfarrers; das sah sie wohl und schrieb:

 „Der HErr sei in mir Schwachen mächtig, Er stärke mich und gebe mir Tüchtigkeit zu meinem Beruf, denn ich verstehe noch gar wenig eine Haushaltung zu führen. Was ich nicht weiß, will ich mit Freuden lernen, und Ihre Geduld habe ich schon kennen gelernt. Sie haben schon viel an mir bewiesen, so werden Sie auch ferner mit Ihrer Helene Geduld haben.“ –

 So that sie auch. Für gewisse Dinge, z. B. Näherei u. dergl. brauchte sie wenig oder nichts zu lernen; sie kam aus Umgebungen und Lebenskreisen, die ich zuweilen „hohe Schule der Näherei“ nannte. Aber von einer alten Landfrau lernte sie am Rade spinnen, von einer Pfarrersfrau das Spinnen an der Spindel; ein Bäcker lehrte sie Seifensieden. Von den Bauernfrauen lernte sie Brot backen. Von jedem lernte sie, was sie von ihm lernen konnte. Eine Schülerin aller, kam sie schnell empor. So gerne lernte sie aber, daß sie immer lernen wollte. Wenn sie mit ihrer Schwieger unter den Frauen saß; so waren alle erfahren, jede wußte zu rathen und zu thaten, nur Helene und ihre Schwieger nicht. Diese, eine Greisin, horchte auf all die jungen Erfahrungen, neigte das Haupt hin und her und, weil sie gar nichts erfahren hatte, bewunderte sie andre nur immer mit einem gut fränkischen: „Was sagen’s!“ Helene aber horchte auch nur