Seite:Wilhelm Löhe - Lebenslauf einer heiligen Magd Gottes aus dem Pfarrstande 2 Aufl.pdf/38

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 „Vergangenen Sonntag hast Du für mich gebetet, diesen Sonntag ich für Dich, daß der HErr Sein Wort, welches Du verkündigst, auf ein gutes Land fallen laße, daß es gute Früchte bringen möge! und auch einst in Neuendettelsau! Amen.“ –

 9. Der Bräutigam wollte es der in Haushaltungssachen noch unerfahrenen und unerprobten Braut beim Eintritt in Neuendettelsau bequem machen und schrieb etwas der Art. Sie aber fühlte sich und sprach sich in ihrer Weise aus: „Du darfst Deine Helene nicht so gar sanft und wohl betten; sie möchte dies nicht gut vertragen. Deine Liebe meint es gut; doch ist es für Dein Weib sehr gut, wenn Du ihr etwas zumuthest. Ich kann arbeiten. Gott hat mir ja einen gesunden Leib und Kraft gegeben. Du denkst mich zu schonen und mir deshalb meine häuslichen Pflichten bei meinem Eintritt in Neuendettelsau abzunehmen. Es kommt mir ein wenig eigen vor. Doch mach’s, wie Dir es am besten däucht. Du weißt, Deine Helene versteht nichts und ist gar einfältig.“ – Es zeigte sich hernach, daß man so eine Einfältige getrost auch in ein noch nicht betretenes Arbeitsfeld eintreten laßen darf.

 10. Als ihr nahe gelegt wurde, nicht alle Briefe des Bräutigams zu beantworten, damit sie sich nicht eine Last auferlegte, schrieb sie:

 „An Dich zu schreiben, ist mir gar keine Last, wie kannst Du nur so etwas von Deiner Braut denken; mich mit Dir zu unterhalten, macht mir Freude. Ich glaub, ich denke eben so oft an